8.
Sep
2017

Logbuch #32 Woche 4

Woche  04.
HOLY CHICKS & GLORY DICKS. How to perform gender identity
Logbuch

POP IT OUT

In Woche 4 hieß es für uns natürlich: Endspurt! Dabei waren uns zwei Schwerpunkte besonders wichtig:

NUMMER EINS: ARBEIT MIT EXPERT*INNEN
Für die Woche haben wir Treffen mit zwei Expert*innen ausgemacht, zu denen wir in den vergangenen Wochen Kontakt aufgenommen haben: Einem male Stripper und einer weiblichen Bodybuilderin.
Daraus ergaben sich folgende Fragen: Wie wollen wir den Expert*innen begegnen? Welches „Material“ wollen wir in den Treffen mit ihnen sammeln? Wie werten wir das Material aus? Wie knüpft die Praxis/ das Material der Expert*innen an unseren bisherigen Forschungsstand an? In welchen performativen Anordnungen arrangieren wir das Material?
Wir schaffen eine angenehme Raumathmosphäre für die Treffen, bauen ein Setting für Video- und Audioaufnahmen auf und bereiten die Gespräche mit den Expert*innen intensiv vor.

Der male Stripper
Wir laden einen male Stripper in unseren Bühnenraum ein, um ein einen Workshop zu geben.  Wir tanzen ihm unsere kleine, per YouTube-Tutorials gelernte Choreografie vor. Er tanzt uns eine seiner Shows vor, die er sonst auf privaten Geburtstagsfeiern, Junggesellinnenabschieden, Weiberfaschings-Partys u.ä. zeigt. Dann üben wir einzelne Bewegungen und kleine Abfolgen ein: cooles Gehen, Tanzen um den Stuhl, Wellen in den verschiedensten Positionen, Tanz auf dem Boden, Powermoves, sexy Ausziehen… Wir schwitzen!
Wir drehen ein filmisches Porträt von ihm und führen ein langes Gespräch über seine Arbeit, Reaktionen von außen und das Männerbild, das er verkörpert.

Auszug aus unserem Fragenkatalog:
– Beschreib mal, wie so ein klassischer Auftritt von dir abläuft.
– Erzähl uns von  deinen Highlights, deine besten, schlimmsten Erlebnissen.
– Wie läuft die Interaktion zwischen dir und deinen Kundinnen während einer Show?
– Gab es Momente in denen du dich unsicher gefühlt hast?
– Wie entwickelst du deine Figuren und Choreos?
– Was ist der Unterschied privat/solo zu arbeiten? Wie sind die Arbeitsverhältnisse?…
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30.
Aug
2017

Logbuch #32 Woche 3

Woche  03.
HOLY CHICKS & GLORY DICKS. How to perform gender identity
Logbuch

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In Woche drei fokussieren wir unser Interesse an female und male masculinity und erforschen dies an unseren eigenen Körpern im Bühnenraum.

Im Zentrum der Recherche steht folgende Frage: Welche queeren Figuren entstehen in unserer Darstellung und Verkörperung von Männlichkeit? Wie unterscheidet sich die Performance von weiblicher zu männlicher Maskulinität?

Bei Homi K. Bhabha lesen wir über Mimikry.

„ It is from this area between mimikry and mockery, where the reforming, civilizing mission is threatened by the displacing gaze of its disciplinary double, that my instances of colonial imitation come. What they all share is a discursive process by wich the excess or slippage produced by the ambivalence of mimicry (almost the same, but not quite) does nor merely „rupture“ the discourse but becomes transformed into an uncertainty wich fixes the colonial subject as a „partial“ presence.
By „partial“ I mean both „incomplete“ and „virtual“. It is as if the very emergence of colonial is dependent for its representation upon some strategic limitation or prohibition within the authorative discourse itself. The success of colonial appropriation depends on a proliveration of inappropriate objects that ensure its strategic failure, so that mimicry is at once resemblance and menace.

MIMIKRY und MALE STRIPTEASE

In den ersten Tagen der Woche proben und analysieren wir unsere jeweiligen einzelnen Spezifika in der Performance bzw. Nachahmung von male Striptease und suchen, in einem weiteren Schritt, nach Möglichkeiten der Abstraktion:

  • – Wir strippen jeweils einzeln, mal in sportlichen Klamotten, mal oben ohne.
  • – Wir experimentieren mit unterschiedlichen Bewegungsqualitäten, mit besonderem Fokus auf Entschleunigung des Körpers und Mimik.
  • – Wir lassen unterschiedliche Texte über die einzelnen Strips erklingen.

Es entstehen vielschichtige Bilder von Weiblichkeit, Männlichkeit. Viele Versuche werden zu eigenständigen Hybriden, und verlassen die vorgefertigten Zuschreibungen.

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MIMIKRY und MALE MAKEUP

Ab Mitte der Woche beginnen wir uns, männlichem Erscheinungsbild anzunähern.…
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22.
Aug
2017

Logbuch #32 Woche 2

Woche  02.
HOLY CHICKS & GLORY DICKS. How to perform gender identity
Logbuch

Die 32. Gruppe besteht aus vier Künstler*Innen

licht

Wir mythologisieren und fabulusieren unser selbst in Hinsicht auf Reichtum und Männlichkeit.
Es entstehen vier performative Texte: Zwei Held*Innen Mythen, eine Adelsbekundung und ein russisches Männlichkeitsmärchen.
Wir versuchen uns nicht in Hinsicht auf das prekäre zu untersuchen sondern unsere weiße Mittelschichtenpositionen zu beleuchten.
Versuche, Wahrheit und Fiktion in unseren Biographien zu beleuchten. Welche Teile lässt man raus, welchenbringt man vermehrt rein: Mythos Ich.

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Wir sammeln die Themenbereiche der Versuche der vergangenen 6 Arbeitstage:

.Das Artifizielle von Biographien herausstellen.
.Mythische Biographien erstellen.
.Inszenierungen von Status und Geschlecht.
.Männlichkeiten als Strategien.
.Übernahme von (christlich-) religiösen Inszenierungsstrategien

Was interessiert uns an Männlichkeit und der Idee von Reichtum/Erfolg:

.Wie ist das Verhältnis von Mänlichkeit und Erfolg?
.Werde ich erfolgreicher wenn ich männlicher performe?
.Sind Verbände eine männliche Kultur?
.Was ist unser Begehren daran männlich zu performen?
.Wie verhandele ich als queerer-cis Mann meine männlichkeit?
.Die sanfte Männlichkeit: Byron, Nerds, Soft Boys, Sad Boys
.Die schwule Frau, der lesbische Mann als Kategorien von Genderidentity
.Potenz als Tool des Kapitalismus, weibliche Potenz
.Welche Formen von Reichtum begehren wir als Personen?
.Gegensatzinszenierungen: inszenierte Armut durch den Mittelstand (Gangsterkult, Hipster-Kunststudent*innenstyle)
.Wie inszeniert sich Reichtum noch?
.Welche Bilder von Männlichkeit begegnen uns aktuell in digitalen Medien?

sportWir gehen wieder in einen schnellen Praxisversuch. In unseren vier Performanceübungen stellt sich jetzt die Frage nach dem Scheitern der Nachahmung und der Verkörperung. Ist es interessant das Scheitern und Üben der Männlichkeit auf der Bühne zu sehen, in welcher Formung? Welche queeren Figuren entstehen in unseren Darstellungen zwischen den zwei Binaritäten?

Wir beschäftigen uns mit Konstruktion von Männlichkeit, insbesondere Konzentration auf “female masculinity” und “maleness” versus “masculinity” (siehe J. Jack Halberstam)…
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16.
Aug
2017

Logbuch #32 Woche 1

Woche  01.
HOLY CHICKS & GLORY DICKS. How to perform gender identity
Logbuch

MEMADONNA

Wir kommen in Marburg an und überprüfen, nachdem wir uns im Theater eingerichtet haben, unseren Arbeitsplan.
Im Verlauf der Woche folgen wir dem von uns aufgebautem System:
Nach einem physischen Aufwärmen recherchieren wir zu Ikonisierung und insbesondere der Selbstinszenierung im Medium des Pop. Später spezialisieren wir uns auch auf Weiblichkeits/Männlichkeitsidee im Pop, Selbstdarstellung und 1Prestige/Reichtumsdarstellung über Instagram und Männlichkeitsperformance im heterosexuellem Stripteasekontext, fabulisierte Biographien, Imitation und Mimikry.

Aus den Rechercheeinheiten entwickeln wir im zweiten Teil des Tages einzeln schnelle szenische und installative Versuche.

Die erste Rechercheeinheit bringt uns schon (Arbeits-)Elemente, die wir über die gesamte Woche mittragen und in den weiteren Tagen erweitern und komplementieren.

 

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Der Divadance und der dazugehörige Track ziehen sich verschiedenst durch unsere Versuche.

Es bilden sich folgende Stränge:

Wir fabulisieren unsere eigenen Biographien und präsentieren sie auf der Bühne als mächtige und dogmatische Einheiten.

Wir benutzen die mittelalterliche Mythologie des Christentums und eignen uns die Form des Turiner Grabtuchs an, bilden bzw. neue Reliquien.

3Wir untersuchen und kopieren Posen und Körperlichkeiten von Stars und Sternchen. Schnell stoßen wir auf Darstellung von Reichtum in sozialen Medien. Wir bilden in einem Versuch den Instagramaccount @richkidofflausen.

4Wir versuchen die Körperlichkeiten der von uns untersuchten Personen nachzustellen. Es bilden sich Kontraste zwischen Imitation, spontaner Nachahmung und improvisierter Aneignung.

Wir untersuchen spezifische Männlichkeitsbilder anhand Männlichkeitscoaching (Stimmtraining) und eignen uns Choreographien von männlichem Striptease an.

Oft bilden sich während der Versuche die Kontraste zum vorgeschriebenem Prestige oder Diventum und der tatsächlichen Einfachheit die auf der Bühne passiert.

Am Donnerstag stellen wir die entstandenen Elemente gegenüber, wir überlagern das recherchierte performative Material. Die Gleichzeitigkeit und andere Besetzungen der Szenen offenbaren neue Sichtweisen und Kontraste. Wie übertragbar ist Geschlechtigkeit? Wann und wie verlieren sich gewisse Symbole?

Schon während der anderen Tage sind unsere Darstellungsformate nicht nur frontal.…
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