27.
Jul
2015

Logbuch #19 – Woche 4

WOCHE 4

Am 15. August 2015 zeigten die Künstlerinnen Sabine Akiko Ahrendt, Friederike Haug, Neele Hülcker und Tanja Kodlin im Theater im Ballsaal Bonn das Making Of #19 zum Projekt „HALTEN“.

Zum Abschluss ihrer Forschungsresidenz fertigte die Gruppe das Buch „HALTEN“ an, dass die Forschungsarbeit der vergangenen vier Wochen zusammenfasst und um zusätzliches Material ergänzt:

Buch HALTEN
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20.
Jul
2015

Logbuch #19 – Woche 3

WOCHE 3

Wir haben einen Alltagsmoment eingefroren. Ein Stückchen Zeit wurde angehalten, während drumherum die Gesamt-Zeit weiter lief. Zwei Tempi befanden sich plötzlich in der Zeit. Das Halten wurde zum Stillstand innerhalb von Bewegung. Durch die Gegensätze wirkte die Bewegung wie ein Rasen, das Halten wie Versteinerung oder wie ein nicht-Existieren von Zeit.
Gleichzeitig wurden bei genauerer Beobachtung Mikrobewegungen im Stillstand sichtbar: das Zittern der Hand vor Anstrengung in der gehaltenen Position zu bleiben, leichte Bewegungen der Haare im Wind, Augenzwinkern. Die Mikrobewegungen wurden bei Konzentration auf den Stillstand groß, während sie im Gesamtbild der beiden Zeitsysteme kaum wahrnehmbar waren.
Das Verharren in einer Position wurde ebenso zur Selbsterfahrung: die Fokussierung auf den Stillstand bewirkte eine andere Zeit-Wahrnehmung in einem selbst und wurde als Herausforderung wahrgenommen, die im Detail zum ständigen Scheitern führen muss: Muskel begannen ihr Eigenleben und zuckten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Haltepositionen wiederum erst durch kleinste Mikrobewegungen der Muskeln möglich gemacht werden. Stillstand und Bewegung sind also rein abhängig von der Perspektive und Genauigkeit der Beobachtung und können jeweils als ihr Gegenteil in ein und dem selben Moment existieren.

13.
Jul
2015

Logbuch #19 – Woche 2

WOCHE 2

 

Die Hand wird leicht zusammengedrückt, der Druck ändert sich ständig, lässt aber nie ganz nach. Mein Daumen liegt auf einem fremden Handrücken, ein fremder Daumen auf meinem Daumengelenk, Teil meiner Handfläche. Meine Fingerspitzen liegen auf fremder Handaußenkante, meine Handfläche an fremder Handfläche, sie bilden einen Hohlraum, dessen Volumen sich ändert und manchmal kaum vorhanden ist. Fremde Fingerspitzen liegen auf meinem Handrücken, näher der Innen/ Daumenseite. Auch die fremden Finger-Ober-Glieder liegen da, der Rest ist um meine Handkante, die zum Daumen zeigt, gebeugt.…
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5.
Jul
2015

Logbuch #19 – Woche 1

HALTEN ist eine Recherchearbeit über das Halten und ein Aufeinandertreffen von Klang und Bewegung. Anhaltspunkt der Forschung bildet die Begrifflichkeit „Halten“. Seine Bedeutungen in diversen Kontexten sowie persönliche Interpretationen dienen als Basis unterschiedlicher gedanklicher, intuitiver, körperlicher und klanglicher Herangehensweisen und Ausführungen.

Eine Zusammenarbeit von: Sabine Akiko Ahrendt, Friederike Haug, Neele Hülcker und Tanja Kodlin. Nach einer Idee von: Tanja Kodlin.

WOCHE 1

DIE HAND
„Die menschliche Hand ist ein Greifwerkzeug. Sie kann rasch zupacken, festhalten, drücken, ziehen, schieben, formen, sie kann suchen und fühlen; Flexibilität und Gegliedertheit sind ihre Kennzeichen.
Drei Gelenke am Finger, Handgelenk, Ellbogen und Armgelenk und, wenn erforderlich, Rumpf und Füße helfen mit, die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu steigern. Die Muskeln und Sehnen bestimmen die Art  des Zupackend und Festhaltens, die empfindliche Haut das Abtasten und Fühlen des Materials, das Auge steuert die Bewegung. Aber entscheidender als diese wohlintegrierten Tätigkeiten wirkt der Verstand, der sie leitet, und das Gefühl, das sie beseelt.“

Aus: „Die Herrschaft der Mechanisierung“ von Siegfried Giedion

HALTEN_Credit Tanja Kodlin und Gruppe


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