1.
Aug
2012

Logbuch #4 – Tag 29

01.08.12 / Maike

Wetter: Sonnig und warm (wo kommt das denn her?)
Arbeitszeit: 11:00 – 22:55 Uhr
Stimmung: zuversichtlich, auch wenn der lange Atem sich dem Ende neigt
Eindrücklichster Moment: die Playmobilmännchen hängen
langwierigste Aufgabe heute: Kärtchen per Hand beschriften
Größter Erfolg heute: die Umfrage funktioniert
persönl. Lieblingswort heute: Skorpion
Utopie: Teils abgeerntet, teils verschenkt, hat eine Zukunft vor sich
Special Guests: Klara und Roland
Lieblingszitat: „Proben heißt Scheitern.“

Der letzte offizielle Probentag bricht an und vielleicht merkt man heute mehr denn je, dass es sich eben NICHT um eine Premiere handelt, die wir morgen spielen werden. Wenn dies eine Premiere wäre, dann hätten wir heute vermutlich noch an einzelnen Teilen gefeilt, eine Kostümprobe gemacht, uns geschminkt, einen Durchlauf gemacht, dann vielleicht noch einen Durchlauf, dann Generalprobe, dann Besprechung und vielleicht noch einen Absacker, um runterzukommen. Da dies aber eine Werkschau ist, läuft alles ein wenig anders.

Nach einer Lagebesprechung und der Agenda für den heutigen Tag (denn ja, es gibt noch einiges zu tun) verteilen wir uns nochmals in Arbeitsgruppen, Kaja und Franzi machen die (fast) letzten Besorgungen, Ulli bastelt weiter akkribisch an der Präsentation, Johanna und ich gehen nochmals die Einführung ins Psychodrama durch und üben schließlich endlich einmal „Let the Sunshine in“. Richtung Mittag, denn so spät ist es schon wieder, stößt schließlich Franzi mit zur Gesangsgruppe bis wir dann irgendwann alle auf der Tribüne stehen und einmal das Finale proben, trocken sozusagen. Um die verbliebene halbe Stunde bis zur Mittagspause zu nutzen, räumen wir nun noch einmal auf und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es schon ein wenig Aufbruch ist. Das ist okay, denn langsam bekomme ich doch ein wenig Heimweh.

In der Mittagspause bekommen wir Besuch von Roland und Klara. Roland macht sich daran, unser Umfragen-IT-Problem zu lösen, während Klara die Bühne auf eingene Faust erkundet.…
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31.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 28

31.07.12 / Franzi

Wetter: vorwiegend gemäßigt
Stimmung: Endspurtend
Utopie: wird immer schöner, ich bin so stolz
Zitat des Tages: „Das hätte deine Emanzipation sein können“
Hass des Tages: Klebestreifen, der unsere Exponate immer wieder zu Boden wirft

Es ist Endspurt. Und auch wenn es ein Forschungsstipendium ist, können wir nun nicht mehr leugnen, dass wir auf das Ziel Präsentation am Donnerstag hinarbeiten. Und so beginnen wir mit einem Gespräch über die Zukunft. Wird diese Arbeit jemals als Projekt fortgesetzt? Wir sind uns einig, dass wir es wollen, da wir so viel Wissen und Ideen erworben haben, die im Making Of keinen Platz gefunden haben. Fehlen nur noch die harten Fakten: Wann? Wo? Wie? Mit welchem Geld? Dies wird an anderer Stelle zu klären sein. Vorerst brennt uns noch eine wichtige Frage unter den Nägeln: Was ist der Unterschied zwischen forschen und proben? Die Essenz unseres allseits beliebten Parkaue Brainstorms ist, dass die Unterschiede gar nicht so groß sind. Das eine ist nur zielorientierter. Wir stellen allerdings auch fest, dass wir durch unser Studium bereits darauf trainiert sind Theorien zu praktizieren und Praxis zu theoretisieren. Wir forschen häufig, wenn wir proben. Jetzt widersprechen wir allerdings unserer Theorie und arbeiten auf ein Ziel hin. Zurück zum Making Of: Da wir uns ja schon eine Art Ablaufplan gebastelt haben, sprechen und laufen wir diesen nun noch gemeinsam durch und klären, was noch zu tun ist und sichern Abläufe. Es wirkt für alle etwas befreiend, da sich Unsicherheiten klären und Schwachstellen auf zeigt. Es ist befremdlich Tischgespräche ohne Gesprächspartner zu üben. Manche reden in die Luft und zu imaginierten Partnern, ich schweige und überlege, was ich sagen könnte. Ich vertraue auf meine Interaktionserfahrungen und schließlich ist es am Donnerstag ja auch nur ein Testlauf, bei dem ich noch grandios scheitern kann. Danach geht es endlich mal wieder in Arbeitsgruppen.…
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30.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 27

30.07.12 / Johanna

Wetter: sonnig, bewölkt, Regen, Hagel, Wärme, Wind
Arbeitszeit: 12:00 bis 20:00 Uhr
Stimmung: schwankvoll beginnend, sich leerlaufend endend
Eindrücklichstes Bild: Die Sonne geht auf
persönl. Lieblingswort heute: umsourcen
Utopie: Tomate ist rekonvalesziert, Schnittlauch beginnt, wie Schnittlauch auszusehen, Zuckererbsen nehmen die Rankhilfen an
Lieblingszitat: „Was steht da? Kinderchor und Zuschauerdeos?“

Das Lied von der Pappe

Festgesetzt in deutschen Bühnen
Steht die Form aus Papp geklebt.
Heute muß die Werkschau werden!
Frisch, Performer, seid zur Hand!
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben;
Doch der Kaffee kommt von oben.

Zum Werke, das wir ernst bereiten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn guten Kleber sie begleiten,
Dann fließt der Zeitstrahl munter fort.
So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
Was durch die schwache Kraft entspringt;
Den Perfomer muß man schimpfen,
Der nie bedacht, was er vollbringt.

Das ist’s ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Daß er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand.

Nehmet Holz aus Pappen braun,
Doch recht trocken laßt es sein,
Daß die eingepreßten Tische
stehen in den Raum hinein.

Klebt des Logbuchs Seiten!
Schnell auf dünne Fäden an,
Daß die wuste Denkarbeit
Fließe nach der rechten Weise!

Wie sich schon die Zettel rollen!
Dieses Post-It kleb’ ich ein:
Sehn wir’s auf dem Boden liegen,
Wird’s zum Making dreckig sein.
Jetzt, Performer, frisch!
Prüft mir das Gemisch,
Ob das Spröde mit dem Weichen
Sich vereint zum guten Zeichen.

Wohl! nun kann das Licht beginnen,
Schön gestimmt ist unser Lied,
Doch bevor wir’s lassen rinnen,
Alles für die Utopie!
Zählt den Countdown auf!
Nimmt das Leben seinen Lauf!
Rauschend in des Wredes Bogen
Schießt’s mit goldnen Glitterwogen.…
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29.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 26

29.07.12 / Franzi

Wetter: warmkaltnasstrockenhelldunkel
Stimmung: Sonntagsmüdigkeit und pragmatisch
Eindrücklichstes Bild: Krokodil in roten Highheels
Utopie: hat heute mal die Bühne gesehen, die Bohnen haben Wuchshilfe bekommen
Zitat des Tages: „Jesus gehört nicht in die Utopie“
Lustigstes Wortspiel: „Work lifts us up where we belong“
Unwort des Tages: chilln
Metapher des Tages: die Boote auf denen Kaja und wir uns jeweils befinden

Wir haben unser vorgezogenes Wochenende beendet und wie bereits festgestellt, wird eigentlich am Sonntag zu recht nicht gearbeitet. Alle wirken müde und unkonzentriert.
Als erstes werfen wir uns in mitgebrachte Glitzeroutfits. Die sind mal mehr, mal weniger glitzerig. Aber alle schön. Nur Johanna glitzert nicht. Unverständlicherweise wirft ihr Kleiderschrank kein Paillettenkleid ab. Also muss sie noch shoppen gehen.

Beim Workout muss ich heute wegen einer Knieverletzung (ein Krankheitsbericht wäre auch mal was für die Ausstellung beim Making Of) aussetzen und auch Kaja setzt aus.
Dann widmen wir uns unserer Utopie, die am Ende stehen soll. Und beginnen mit einem großen Fragezeichen. Mit den Playmobilmännchen? In unserer Pflanzenutopie? Wenn ja, wie kommt die rein? Im Einkaufswagen? Und welches Lied wollen wir gemeinsam mit dem Publikum singen? Ulli hat ein paar Lieder zur Auswahl, wir finden weniger geeignetes wie „Working in a Cole Mine“, Beatles, U2 und „Celebration“ und besser geeignetes wie „My love is your love“ und einigen uns zunächst auf „Let the sunshine in“. Diesen Ohrwurm wird man übrigens auch nicht mehr los. Danach widmen wir uns wieder den Gedanken zu den Playmobilfiguren und wie sie die Utopie verkörpern können. Da wir es nicht für sinnig halten, sich zu fünft um einen Tisch zu stellen, teilen wir uns in zwei Gruppen: Johanna und Maike basteln fleißig Tischverkleidungen und wir anderen drei probieren Settings für das Abfilmen einer Utopie am Schluss. In „unserer“ Gartenutopie wirken die Figuren mehr so wie bei einer Dschungelexpedition, grünes Papier weckt Parkpicknickassoziationen.…
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26.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 24

26.07.12/ Ulli

Wetter: warm, aber nicht unangenehm heiß
Arbeitszeit: 9:30-18:15
Eindrücklichster Moment: mehrere, die alle mit großen Höhen zu tun haben
häufigstes Zitat: “Aua!”
Utopie: sieht hübsch aus, sollte am Wochenende gegossen werden

Heute machen wir unsere lange geplante teambildende Maßnahme. Es geht in den Kletterwald nach Hatten. Keiner von uns war je auf so einem Ding und wir mutmaßen im Auto, wie wir uns schlagen werden. Als höhenängstlich entpuppen sich dabei Jo, Kaja und ich. Nachdem wir dann die Ausrüstung angelegt haben und den Probeparcours hinter uns gebracht haben, geht es in die Bäume. Leider ist der Anfängerparcours belegt, weshalb wir mit dem nächst schwierigeren beginnen müssen. Der ist schon ziemlich hoch. Ich bilde die Vorhut und komme zitternd und käsig so ca. 4m über dem Boden auf einer Plattform an. Aber nach zwei weiteren Klettereien fühle ich mich so gesichert ziemlich prima und kriege langsam Spaß an der Sache. Maike geht es ähnlich und wir erfreuen uns am Adrenalinkick. Kaja hat zwar immer noch ziemlich viel Angst aber überspielt dies gekonnt durch übermäßige Heiterkeit. Nur für Franzi und Jo werden leider bereits die ersten zwei Kletterparcours zur “Challenge”, denn ihre Höhenangst lässt sich nicht so einfach überlisten.

Zur Entspannung legen wir erstmal eine Kaffeepause ein und beschließen, dass Kaja, Maike und ich die nächsten Parcours vorklettern und dann Franzi und Jo berichten, ob sie Nerven erfordern oder eher nicht. Kurz darauf wird unser Gepose in den ersten zwei Klettertouren bestraft, denn jetzt wird es richtig hoch und wacklig. Wir hangeln uns in mindestens 6m Höhe durch Seile, springen am Drahtseil in die Tiefe und rodeln zum nächsten Baum und rutschen beinah auf ausgetretenen Autoreifen aus. Die nächste Tour wird nicht viel angenehmer: die Plattformen sind jetzt bestimmt auf zehn Metern Höhe und die Aufgaben um von Baum zu Baum zu kommen werden nicht einfacher.…
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25.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 24

25.07.12 / Johanna

Wetter:                                               Zu sonnig, um sich in der Bühne einzusperren und doch zu warm um den ganzen Tag draußen zu sein
Arbeitszeit:                                       11:00 bis 19:00 Uhr
Stimmung:                                         übermüdet mit einem Schuss Professionalität
Eindrücklichstes Bild:                      Kaja formt sich Knetlippen
persönl. Lieblingswort heute:          BegrüSSung
Utopie:                                               nicht Fisch, nicht Fleisch
Lieblingszitat:                                   „Ich bin hier quasi das Internet!“

Heute wollen wir das Making Of in einer Woche näher in den Fokus nehmen und das drum herum zum Thema machen. Bisher haben wir immer auf eine mögliche Aufführungssituation rekurriert, jetzt soll diese Vision inhaltlich etwas ausgestopft werden. Wir befürchten ein Zeitproblem, weshalb wir unser gesamtes Material noch einmal auf seine Umsetzbarkeit und seine möglichen Einsatzgebiete im Making Of überprüfen. Auch die Frage, was wir unbedingt zeigen wollen, spielt dabei natürlich eine elementare Rolle. Kaja stellt den Antrag, ein Brainstorming zu „Forschung vs. Proben“ in den nächsten Tagen zu machen um auf diese Frage für uns und das Theater Wrede vielleicht eine befriedigende Antwort zu finden. Wir werden es kommenden Montag in Angriff nehmen, auch weil dieses Experiment vor unserem Hintergrund als „Praxis und Theorie durchmischt sich“- Geschulte einen spannenden Stellenwert einnimmt.

Dann gehen wir in die Kitschplanung für das utopische Ende: Seifenblasen – und Flitterkanone, Wunderkerzen, Zuschauerchor, Plattenspieler-Ringelrei der Playmos und Huschipupuh-Licht – für nichts sind wir uns zu schade. Gemeinsam soll dann auch der Utopie-Salat verspeist werden – Theatererfahrung mit allen Sinnen.

Wie viel Arbeit braucht die Utopie? Wieder beweist sich unsere kleine Realübersetzung als eine schöne Analogie auf das Abstraktum. Wie viel gießen ist gesund, wann kann man sich auf das Eigenwachstum der Zöglinge verlassen? Dabei bringt uns dieses Problem auch darauf, wie viel Arbeit wir noch darauf verwenden können eine Vision zu realisieren.

Kaja weiht uns in die Umfragetechnik nach Miranda’s Dream ein: aufgrund der Befragung einiger Zuschauer dürfen Rückschlüsse auf alle Anwesenden im Raum getroffen werden und damit wieder Prognosen für den Verlauf des Abends entwickelt werden.…
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24.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 23

24.07.12 / Maike

Wetter: Sommer!
Arbeitszeit: 11:00 – 19:45Uhr
Stimmung: wird
Eindrücklichster Moment: unter der Politikverdrossenheitsburka
persönl. Lieblingswort heute: Glitzerkleid
Utopie: Jetzt viel wässern, die Erbsen brauchen bald eine Rankhilfe
Lieblingszitat: „Wir entwickeln das Konzept, indem wir uns einfach immer missverstehen.“

Es ist Tischtag, respektive Basteltag, weswegen unsere erste Amtshandlung des heutigen Tages im Kauf von Bastelutensilien und vor allem einem Tisch besteht. Wir haben seit Wochen über Tische geredet und heute konkretisiert es sich nun: wir haben uns auf einen Probe-Tapeziertisch geeinigt.

In der Bühne bauen wir das gute Stück in seiner ganzen Länge von 3 m auf und machen uns – nach dem obligatorischen Workout, heute: Body Combat – ans Werk. Wir bilden zwei Gruppen, deren Aufgabe es jeweils ist, die Problematik eines (abstrakten) Begriffs darzustellen. Den Begriff sowie die Materialien gibt die jeweils andere Gruppe vor und so basteln wir (Ulli, Franzi und ich) aus Crèpepapier und Pfeifenputzern die Politikverdrossenheit, während Johanna und Kaja aus Knete, Stecknadeln und Faden die Zeitprobleme bearbeiten. Bei der einen kommt mit der Rundum-Sorglos-Politikverdrossenheits-Miniburka ein eher performativer Ansatz heraus (vgl. Video), bei Kaja und Johanna steht die Präsentation von abstrakten Werken nach Art der Kunstausstellung im Mittelpunkt. Die Meinungen gehen auseinander. Was wollen wir mit den Erzeugnissen, die an den Tischen hergestellt werden? Wohin führt das? Wo läge der Fokus, auf dem Bastelprozess, dem Ergebnis, dem Zweck des Ergebnisses?

Wir setzen beim nächsten Versuch auf Ullis Vorschlag hin eher auf Quantität als auf Qualität und arbeiten nur mit Knete. Innerhalb von 30 Sekunden knetet jeder die Probleme mit Freizeitgestaltung, Familie und Arbeit, Frauenquote, Motivation usw. und präsentiert sein Ergebnis ganz kurz in der Gruppe. Es kommen spannende Dinge dabei herum, man kann sowohl sehr konkrete Dinge kneten aber auch abstrakte, sogar Statistiken. Die Skulpturen reflektieren bereits eine bestimmte Sicht der Dinge und es lässt sich wiederum darüber reflektieren.…
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23.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 22

23.07.12 / Ulli

Wetter: seit langem mal wieder richtig, richtig warm
Arbeitszeit: 14:30-19:30
Eindrücklichster Moment: die “regennasse Straße” auf dem Tisch
Lieblingszitat: “Watch out for the cake!”
Utopie: Ehrlich gesagt, habe ich nicht nach der Utopie geschaut, aber Maike und Jo haben gegossen, also wirds ihr gut gehen.

Kaja ist nach ihrem Italienausflug wieder da und wir verbringen zunächst die Zeit damit, sie auf den neuesten Stand zu bringen und versuchen möglichst schlüssig die Entwicklungen letzte Woche nachzuvollziehen. Dann folgt das obligatorische Work-Out – diesmal für Hausfrauen mit Disco-Musik und 80er Jahre Gymnastik. Anschließend nehmen wir den Vorschlag von Maike, Franzi und Jo auf, Berufe zu tanzen. Also typische Berufsbewegungen in Tanz umzusetzen. Eine gibt immer den Beruf vor, die anderen müssen jeweils versuchen einen Tanz zu erfinden. Es bietet sich dabei an, vor allem die Arme zu nutzen – nur Kaja versucht viel über Mimik zu lösen, was aber auch irgendwie interessant ist. Dann beginnen wir mit den Berufstänzen eine Art Work-Out anzuleiten und beschließen, dass das möglicherweise recht spannend für die Performance sein könnte. Allerdings müssten wir dann so spontan sein, dass uns das Publikum Berufe zurufen könnte, die wir zum Work-Out umwandeln. Wir stellen uns das lustig vor, zumal wir von den durchtrainierten spanischen Fitnesscoaches kilometerweit entfernt sind und damit ein gutes schlechtes Vorbild abgeben. Allerdings wendet Kaja ein, dass sie als Theaterbesucher meist angemessen gekleidet kommt und somit mancher Performancebesucher vielleicht auch eher unpassende Klamotten für solche Bewegungen trage. Jo gibt zudem zu Bedenken, dass die Bewegungen leicht zu komplex werden könnten und der Zuschauer dann keine Lust mehr hat, wenn er nicht mehr mitkommt. Wir beschließen trotzdem, dass wir das am 02. ausprobieren und dann werden wir sehen ob es funktioniert oder nicht.

Anschließend widmen wir uns den Floating Szenen: Maike und ich proben mit dem Klavier “I saved the world today” und siehe da, dort klappt es beinah fantastisch.…
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20.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 21

20.07.12 / Maike

Wetter: nahezu trocken, leicht bewölkt mit einzeln hoffnungsvollen Sonnenflecken
Arbeitszeit: 13:30 bis 20:00 Uhr
Stimmung: Amazement
Eindrücklichstes Bild: Till steht als „die Finanzmärkte“ im Psychodrama und hat größenwahnsinnige Anwandlungen
persönl. Lieblingswort heute: Kitsch
Utopie: braucht mal wieder Sonne
Lieblingszitat: Finanzmärkte: „Ich bin quasi die neue Natur.“
nicht gemacht: Berufe tanzen

Nach langer Pause wieder einmal ich am Logbuch. Ich gebe zu Protokoll: ich bin beruhigt, dass das Los mich nicht schon wieder ausgespart hat.

Nach einer Woche, in der wir (in mehr als einem Sinne) viel geschwommen sind, herrscht nun das Gefühl vor, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ziemlich soliden Boden sogar, dafür, dass zwischenzeitlich nicht allzuviel Land zu sehen war. Ich warne vor: dieser Einrag versucht eine Zusammenfassung und wird entsprechend lang.

Unser Mentor Till war heute da zum gemeinsamen Besprechen und Proben. Wir fassen für ihn zusammen, was wir bisher Neues gemacht haben und in welche Richtungen wir unser theatrales Assessment Center zuspitzen wollen. Aus den Eindrücken aus der vorigen Woche und den Splittern aus der aktuellen setzt sich im Gespräch zusammen, was wir so im Ganzen doch noch nicht sehen konnten, es klingt gar nach einem schlüssigen Gesamtkonzept. Ich versuche eine Bündelung.

Was bisher geschah: Wir entschieden, das Planspiel wegzuwerfen und eher in Richtung Assessment Center weiterzudenken, ein theatrales Assessment Center mit der Leitfrage, „Wo stehst du in der Arbeitswelt von morgen?“ wir sehen das Publikum in Gruppen eingeteilt, die Skills irgendwo zwischen seriös und spielerisch abgefragt. Ein Gläschen Sekt zum Einstieg finden sich die ZuschauerInnen selbst in Teams; ODER werden sie von uns eingeteilt? Welche Eigenschaften werden evaluiert? Wann kommen die Playmobilmännchen ins Spiel? Dann geht es an Tische, an denen weiter assesst wird. In passenden Situationen bedienen sich die Performerinnen der floating Szenen, die wie Bausteine ins interaktive Setting gesetzt werden können…

Till fragt uns, was genau wir an den Tischen assessen.…
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19.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 20

19.07.12 / Johanna

Wetter: starker Regenfall, der unser Klamotten durchnässt, während die Sachen in der Bühne mühsam trocknen Sonnenschein, zum Feierabend wieder bewölkt
Arbeitszeit: 12:30 bis 19:30 Uhr
Stimmung: überdrehtes Frotzeln
Eindrücklichstes Bild: Maike und Franzie drücken wieder die Schulbank
persönl. Lieblingswort heute: Maß
Utopie: ersäuft
Lieblingszitat: ist NICHT „Ich bin heute nicht inspiriert.“

Wenn man schon durchnässt auf die Probe kommt, ist das kein gutes Omen für den Tag. Wirklich niemanden von uns hat der Schauer verschont. Unsere Hosen hängen deshalb wie besoffene Matrosen über der Reling, alle sind gereizt. Franzie föhnt gezwungenermaßen heute schon zum zweiten Mal ihre Haare, trotzdem hält sie sich wacker unter den Lebenden.

Zunächst probieren wir noch ein wenig weiter an den Möglichkeiten der Aufstellung im Koordinaten-System. Dabei treten Fragen zutage, die zwar nicht direkt mit der Aufgabe zu tun haben, doch die wir im szenischen Denken bisher am Wegrand liegengelassen haben: Spielt der wirkliche Beruf der Zuschauer für uns eine Rolle? Was sieht nach Arbeit aus und ist keine? Warum ist soviel Assessment/ HumanRessource/ Personalmanagement-Kram so esoterisch?

Ulli hat heute Einstellungstestverfahren recherchiert und den Big Five- Persönlichkeitstest in der schlanken Fassung mitgebracht. Maike und Franzie müssen bei dem Ankreuzfragenbogen Fragen zu ihrer Persönlichkeit, ihrem Allgemeinwissen, ihrem logischen Denken und ihrem Sprachverständnis beantworten. Sie fallen dabei symptomatisch in eine Klassenarbeitshaltung. Tatsächlich hat Bourdieu wohl recht, sowas schreibt sich in die Körper ein. Nach einer doch recht fixen Auswertung, entlarvt der Test zweifelsfrei, dass die Probandin Maike beim Beantworten der Fragen gelogen hat. Diese bestätigt das ihr Handeln bleibt jedoch konsequenzlos.

Wir verstricken uns in eine Diskussion über die Praktikabilität der Zettel und Ankreuztests. Eine Einigung in Bezug auf die Ernsthaftigkeit der von uns entwickelten Testverfahren wird nötig, ist aber nicht abschließend zu erzielen. Dabei habe ich sinnbildlich denn kritisch-schwarzen Hut auf, weil ich fürchte, eine zu große Ernsthaftigkeit lässe den Spaßfaktor und die Theatralität auf der Strecke.…
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18.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 19

18.07.12 / Ulli

Wetter: erst verregnet, dann überraschend warm, dann wieder grau
Arbeitszeit: 14:00-20:00
Eindrücklichster Moment: wir sehen uns im Bodyjam-Video
Lieblingszitat: “Es muss auch mal solche Tage bei einer Produktion geben.”
Utopie: Die Kresse wurde geerntet, die erste Blaubeere ist gereift vom Busch gefallen, Zucchini und Erbsen fangen an lecker auszusehen

Wie auch schon gestern starten wir mit unserem neuen Ritual in den Tag und machen eine halbe Stunde Work-Out. Da Franzi sich nicht ganz so fit fühlt, filmt sie, wie wir zur Anleitung von Gandalf, dem spanischen youtube-Trainer, hüpfen. Abgesehen davon, dass sich natürlich auf dem Video jeder peinlich findet, stellt Franzi fest, dass ich eher langweilig erscheine und nur angestrengt versuche die Choreografie zu verfolgen, wohingegen Johanna und Maike im Gesicht ein bisschen beweglicher sind und verschiedene kritische Ausdrücke draufhaben.

Dann wollen Johanna und Maike verschiedene Sachen zum  Psychodrama ausprobieren, das sie jetzt Surplus-Reality-Scenario nennen, damit man nicht gleich so esoterische Assoziationen bekommt. Als erstes shoppen wir Persönlichkeitsmerkmale: Maike und Johanna haben einen Magic-Wunderladen aufgebaut, in dem man z.B. 20g Ideen oder 700g große Klappe tauschen kann. Nun schreibt jeder noch drei eigene Eigenschaften in Gramm-Angaben auf und der Handel beginnt. Franzi ertauscht sich Durchhaltevermögen für die Diplomarbeit und opfert dafür ihren Humor, ich tausche 300g Überzeugungskraft gegen 250g Besonnenheit. Am Ende soll jede ihr “perfektes” Ich schaffen. Wir sind soweit mit unseren eingetauschten Eigenschaften zufrieden.

Dann müssen wir aber leider das Arbeiten unterbrechen, weil es Franzi zunehmend schlechter geht. Wir besorgen Aufbaunahrung und legen sie hin, in der Hoffnung, dass sich die Franzi wieder regeneriert. Maike und Johanna wollen derweil etwas zeigen, dass man gut als Floating-Scene benutzen könnte.

Es geht um Zukunftsszenarien. Maike interviewt Johanna (die mit dem Rücken zum Publikum sitzt) zu ihrer beruflichen Zukunft. Dabei ergeben sich drei mögliche Szenarien: 1. Johanna arbeitet an der Uni 2.…
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17.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 18

17.07.12 / Franzi

Wetter:                                              sonnig und warm, am Ende wieder Regen
Stimmung:                                         gemütlich, trotzdem motiviert (dank Tanz)
Eindrücklichstes Bild:                      Unsere Gesichter, während wir versuchen unserer spanischen Body Jam Lehrerin auf Youtube zu folgen
Häufigstes Wort heute:                    Ernährungscheck
Utopie:                                               wächst, umgetopfte Tomate sieht besser aus und die Kresse fällt bereits der Suppe zum Opfer
Neue Angewohnheit:                        Johanna macht eine Sprechpause vor dem Wort „Publikum“ und grinst dabei

Bereits während des Mittagessens reden wir über Psychodrama und überlegen ob wir selbst vielleicht mal eine Teamaufstellung brauchen, verwerfen den Gedanken jedoch wieder. Auch glauben wir, dass wir keine professionelle Teambildende Maßnahme brauchen: denn Spaß haben können wir miteinander. Trotzdem bleibt die Frage: Wozu dienen teambildende Maßnahmen? Sind die für neue Teams? Für Teamzusammenschließungen? Für neue MitarbeiterInnen? Für (zukünftige) Führungskräfte?

Zu Probenbeginn lesen wir wie immer das Logbuch. Außerdem hat Johanna bei ihrem Wochenendausflug zufällig eine Ausstellung besucht, die Hard Work heißt und Bronzeskulpturen von Arbeitern zeigt. Johanna präsentiert uns die Bilder. Schon das erste Bild kann sich einer gewissen Homoerotik nicht entziehen. Warum ist das so? Und was hat das mit Arbeit zu tun? Wir stellen fest, dass die Männerskulpturen überdurchschnittlich gut gebaut sind und die Damen immer gut und nett bis tänzerisch beim Arbeiten aussehen. Was sagt uns das über die Darstellung von Arbeit? Über unsere Arbeit? Müssen wir grazil aussehen?

Als nächstes kommen wir zu unserer persönlichen Probenmotivation zurück: dilletantisches Tanzen nach Videos. Wir machen ein 15 Minuten Workout zu einem Youtube Video. Unsere spanische Trainerin verstehen wir zwar nicht, aber wir tanzen so gut es geht nach, was sie uns vor macht. Dabei kommen wir alle ganz schön ins Schwitzen (ich glaube, ich am meisten). Wie kann die Trainerin nur die Bewegungen machen und nebenbei noch motivieren und moderieren? Um nicht ganz meine Nichtfitness zugeben zu müssen, schiebe ich es darauf, dass man trainieren kann und wir, wenn wir das jetzt zwei Wochen lang machen, auch nicht mehr nach 15 Minuten keuchen.…
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16.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 17

16.07.12 / Johanna

Wetter:                                              20 Shades of Grey again
Arbeitszeit:                                       13:00 bis 19:30 Uhr
Stimmung:                                         reflektiert-amüsiert
Eindrücklichstes Bild:                      Wir tanzen Zumba
persönl. Lieblingswort heute:          assessen
Utopie:                                               wir können uns nicht erklären, wie aus den paar Samen so viel Basilikum werden kann
Lieblingszitat:                                   „Übers Wochenende sind es ein paar Flaschen mehr geworden.“

Heute besucht uns Sina im Forschungslabor des „Modern Theatrical Assessment“. Als wir ihr von den Entwicklungen der letzten Wochen erzählen, bringt sie ganz vehement die Frage nach einem erzählerischen Überbau, einer Struktur, die unsere neue Assessement Center Dramaturgie rechtfertigt, hinein. Dies rührt bei uns an einer Angst vor der „irrealen Story“. Doch wesentlich bleibt die Frage nach den zu testenden Eigenschaften. Was assessen wir? Wohin wollen wir die Zuschauer damit bringen? Eine Idee wäre, die Leute auf ihre mögliche Position innerhalb unserer „neuen“ Arbeitswelt zu testen. Dabei müsste dann aber vielleicht doch ein kleines Reißbrett Planspiel à la Dogville eingeplant werden. Wann kommt die Utopie da hinein? Denn dabei sind wir uns sicher, auch wenn das Planspiel gehen musste, die Utopie bleibt. Dabei steht außer Frage, dass eine Modifikation der Arbeitswelt, wie wir sie im Theater anstreben können, auch zu einer Modifikation der Assessment Center führen muss. Für jede Assessment-Aufgabe muss also auch ein theatrales Abbild entwickelt werden, dass sich vom jetzigen Zustand unterscheidet. Und vielleicht sind wir dann sogar zum Kitsch bereit um in die Welt zu schreien: „Die Arbeitswelt ist, wie ihr sie wollt! Geht raus und make it work!“

Das Treffen mit Mareike bringt uns an eine sichere Quelle für Glitzerkleider, die Ader ist direkt unter unserer Wohnung.

In der Bühne fangen wir mit unserer ersten zu modifizierenden Assessment-Aufgabe an: den Diskussionshütchen nach de Bono. Die kleinen Hütchen verwandeln uns in spielfreudige Zauberschüler auf einer Magical Mistery Tour. Wir können daraus zwei wesentliche Erkenntnisse für die theatrale Arbeit mit de Bono ableiten: erstens braucht man unbedingt eine konkrete, nicht zu offene Fragestellung, die automatisch für einen roten Faden im Gespräch sorgt und zweitens braucht man eigentlich wirklich starrköpfige Mitarbeiter und keine hochreflektierten Kulturwissenschaftler.…
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13.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 16

13.07.12 / Kaja

Wetter: bedeckt, plötzlicher Sommerregen
Arbeitszeit: 10.00-12.00 Uhr // 14.00-18.00 Uhr
Stimmung: Performance-Kater, aber frohgemut
Eindrücklichstes Bild: Alle Playmobilmännchen werden durch drei enge Schleusen geschwemmt
Wichtigste Erkenntnis: Wir forschen an einer Floating-Dramaturgie.
Utopie: Die Erbsen machen richtig Strecke

Fragen vorweg:
– Was will ein Assessment Center eigentlich bzw. was kann es wollen?
– Was sollten wir eigentlich wirklich assessen?
– Kein Planspiel mehr. Was bedeutet das für die Potenzialanalyse (Ziel?)?
– Welche Konsequenzen ziehen wir aus dem Tryout-Feedback?
– Haben wir unsere Utopie verloren?

Der Tag steht im Zeichen der Auswertung: nach dem Tryout gestern (dann doch mehr Aufführung als gedacht) haben zwar alle ein bisschen Performance-Kater, sind aber in guter Stimmung.
Wir fragen uns mal wieder: wo ist der Unterschied in der Produktion für eine Premiere und der Idee einer theatralen Forschung am Gegenstand. Denn nun geben wir uns einen neuen Kurs vor, der die nächste Zeit regeln soll.
Wir entscheiden uns, dem Planspiel als Rollenspiel aller in bestimmten Strukturen Goodbye zu sagen, und uns dem Assessment-Center als Ort der Bestandsaufnahme mit geleitetem Interesse und der Frage nach der Utopiefähigkeit der Gruppe zu zuwenden. Dabei soll die Utopie als „Abfallprodukt“ entstehen. Ein Nebenprodukt, das sich eher einschleicht in die gemeinsamen Aktionen als wirklich benannt werden muss (vgl. die Aufstellung zum Grundeinkommen während des Tryouts).
Weiter forschen wollen wir auch an der Verquickung von Zuschauer und Playmobilmännchen. Wie kann eine Identifikation funktionieren? wie kann man sie weitertreiben? Und an welchen Enden hilft uns das in der Gestaltung eines Abends? Erste Ideen sind die Erweiterung der Aufstellung am Strategie-Tisch, der Interviews zu den Berufen durch die Playmobils und die Ermöglichung eines Rollenspiels der Playmobils durch die Performerinnen für die Zuschauer (wir lassen deren Playmobils sprechen und reagieren, während die Zuschauer immer noch mit ihnen connected sind).
Wir interessieren uns weiterhin für eine Idee, die wir erst einmal Floating Dramaturgie nennen: wir meinen damit eine Dramaturgie, die aus Fragmenten besteht, die man je nach Verlauf der Experimente mit Zuschauerbeteiligung einfließen lassen kann.…
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12.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 15

12.07.12 / Johanna

Wetter:                                              Sonne, Wolke und Platzregen
Arbeitszeit:                                       13:00 bis 21:00 Uhr
Stimmung:                                         erst unterspannt, dann überspannt
Eindrücklichstes Bild:                      Die Spielothek von Gegenüber kontert mit ihrer eigenen Utopie
persönl. Lieblingswort heute:          ist NICHT Utopie
Utopie:                                               alles präsentiert sich fürs Try-Out von seiner besten Seite, nur die Zitronenmelisse zieht nicht mit
Lieblingszitat:                                   „Und wenn ich Petersilienkartoffeln kochen will, dann ist es nicht der Fehler der Minze, dass sie da nicht rein passt. Da muss ich mich weiterentwickeln!“

Prä-Fragen:
-Wie werden sich unsere Getryouteten am Anfang fühlen?
-Wann ist ein Try-Out gelungen?
-Wie weit darf eine teambildene Maßnahme gehen, ohne dass sie den Kontakt zum eigentlichen Team-Arbeitszusammenhang verliert?
-Wieviel Arbeit braucht man um beschäftigt zu sein?
-Wie groß ist der Einfluss, den private und berufliche Krisen aufeinander haben?

Heute ist Try-Out-Tag. Wir bereiten die einzelnen Stationen dezidiert vor.
Witzigerweise ist es eine sehr entspanntes Vorbereitungsverhalten. Aufgrund keiner Anmeldung vertrauen wir darauf, dass wir unserem Mentor und dem Projektverantwortlichem einfach unsere Ideen vorstellen können. Wir entwickeln  einen Ablaufplan, verteilen Zuständigkeiten und flechten lose Enden zu Übergängen.

Plötzlich stehen da doch zwei Laufpublika vor der Tür, mit denen wir nicht gerechnet haben. Das soziale Netzwerk macht es möglich. Kurz lässt es uns in eine kleine Schockstarre verfallen (ähnlich der Beutelratte vor der Schlange), doch dann kann die Überraschung in Spielfreude transformiert werden: Plötzlich bringt es uns in den Druck einer Haltung, klarerer Ausdrücke und ein professionelleres Auftreten an den Tag zu legen. Nach einem etwas holperigen Anfang mit einiger Zeitverzögerung, damit jeder auch das korrekte orakelt bekommt, kommen wir in einen professionellen flow. Und wie ja allgemein bekannt arbeitet man da am besten und am natürlichsten. Aber dem flow geschuldet, kann ich über das eigentliche Try Out nicht mehr viel sagen. Es ist vorbeigerauscht. Dass es meinen Kolleginnen ähnlich ging, beweist der allgemeine Aufführungskater danach: alle sind überdreht und redebedürftig.…
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11.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 14

11.07.12 / Kaja

Wetter:                                              bedeckt, plötzliche Schauer
Arbeitszeit:                                       14:00 bis 19:10 Uhr // 20:12 bis 22:47
Stimmung:                                         effektiv, giggelig, krisig, trotzdem gut
Eindrücklichstes Bild:                      Wir essen vor dem Tor
Wichtigste Erkenntnis:                     Proben ist nicht Forschen.
persönl. Lieblingswort heute:          Change
Utopie:                                               ???
Schlimmster Moment:                      Der Trojaner legt meinen Computer lahm…
Lieblingszitat:                                   „Gestern gings mir gut, da war ich nicht hier.“ // „Gut für Sie, schlecht für uns.“

Fragen vorweg:
-Wie arbeiten wir jetzt weiter?
-Wie kann man mittels Psycho-Drama utopisieren?
-Wie macht man denn eine psychologische Teamaufstellung?
-Wie viele Arbeitsblessuren muss man sammeln, bis es dafür Schadensersatz gibt?
-Wie kommen wir von den Potenzialen des Zuschauers zu einer Unternehmensidee?

AG-Arbeit ist heute Trumpf: Wir beginnen mit den AGs Tisch und Teamaufstellung. Ulli und ich erarbeiten ein kurzes szenisches Geplänkel zu den fotografierten Meetingtischen, während unsere Kolleginnen eine Teamaufstellung für das Tryout morgen vorbereiten. Wir zeigen unser Ergebnis und werden noch ein bisschen gekürzt, aber die Idee der Überschreibung der Fotos und das Ernstnehmen der Ängste, die wir untergründig in den verschiedenen Betrieben gespürt haben, wird gelobt. Die Teamaufstellung werden wir morgen ausprobieren.

Dann arbeiten wir in den AGs Potenzial-Analyse und Publikumsführung. Johanna und ich entwerfen einen Orakel-Fragebogen, der  jedem Zuschauer ein Männchen und drei Eigenschaften zuordnen soll. Im Anschluss an die Auswertung entsteht hierzu eine längere Diskussion: Wie realitätsnah soll diese Potenzialanalyse sein? Soll sie wirklich die Potenziale der Zuschauer erfassen? Oder muss man im Gegenteil eher von den Zuschauern abstrahieren, eine starke Setzung machen und so die Spielfreude wecken?

Wir sind unsicher, und beschließen morgen eine Version zu versuchen, die zwar direkte Bezüge zwischen Antworten und Eigenschaften sehen lässt, aber sich nicht den Anschein gibt, ernstgenommen werden zu wollen. Alle anderen Versionen wollen wir im Laufe der nächsten Woche probieren.

Nach der Pause diskutieren wir das weitere Programm für den Tryout, der leider morgen ohne Publikum stattfinden wird.…
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10.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 13

10.07.12 / Maike

Wetter: irgendwas zwischen lauwarm und kühl mit einzelnen Schauern
Arbeitszeit: 14:00 bis 20:00 Uhr
Stimmung: angestrend aber fokussiert und neugierig
Eindrücklichster Moment: Auf einem Sofa aus Papier sitzen
persönl. Lieblingsrequisit heute: Uhren aus Papier
Utopie: Der Heidelbeeren müssen die Triebe gestutzt werden, die Tomate braucht mehr Erde, die Erbsen kommen gut
Lieblingszitat: sinngemäß (!) Johanna: „Jag sie in den Wald, halt ihnen ne Blume in die Fresse und lass die Probleme sich von alleine lösen.“

Prolog
Während Ulli zusammen mit Franzi und Johanna das Planspiel einrichtet, entwickeln Kaja und Maike die Idee des Pflanzen-Talent-Managements weiter. Wie sich herausstellt, lässt sich eine Pflanze ganz hervorragend in einen Prozesskreislauf des Human Ressources Management einspeisen. Eine neues Eisatzgebiet für unsere Garten-Utopie?

In Medias Res I:
Die Fragen, die sich über die letzten Wochen und Tage angesammelt haben, sind vielfältig: Was ist das utopische Potential eines Planspiels? Was macht Arbeit/Berufe relevant? Wie kann Zuschauerführung zwischen abgedreht und realistisch funktionieren? Was heißt Arbeitszeit für Theaterutopien? Wie können wir mit der Ambivalenz von Pflege und Kontrolle (von Angestellten) produktiv umgehen? Werden wir uns beim ersten Versuch eines Planspiels langweilen? Wird das zu viel Technik? Womit beschäftigt man die Beteiligten während des Planspiels? Wie sieht das Verhältnis von szenischem Entertainment und Interaktion aus? Wie konkret müssen Arbeitsanweisungen sein? Wie beeinflusst Wetter Arbeit?  Wie kann man ein Planspiel anleiten? Wie kann man Inhalte, wichtige Fragen in einem Planspiel vermitteln?

Und heute tun wir es endlich, wir spielen ein Planspiel, wir probieren eine Methode aus, das Problem beim Schopf zu packen: in dem von Ulli vorbereiteten Planspiel versetzen wir uns in die Rolle von Managerinnen, Arbeitsuchenden, Presseleuten und Tagesschausprecherin… In der Garderobe, abgeschottet von der Bühne gründen Kaja und Maike ein Unternehmen. „Futur Verde“ ist Energieversorger und engagiert sich intensiv in der Forschung und Entwicklung von erneuerbaren Energien.…
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9.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 12

09.07.12 / Johanna

Wetter:                                              wolkig und regnerisch-schwül Arbeitszeit:                                       14:00 bis 20:10 Uhr
Stimmung:                                         euphorisch-offen
Eindrücklichstes Bild:                      Franzie überschlägt rhythmisch die Beine
persönl. Lieblingswort heute:          tendenziös
Utopie:                                               Rucola zieht mit Bohnen gleich
Lieblingszitat:                                   „Ich finde eure Pos und Rundungen sehr sexy, aber in diesem Fall interessiert mich der Kaffee.“

Pünktlich um 14:00 führen wir unser vereinbartes Telefon-Interview mit Irene Heyer von Pe-Soltutions. Als Psychologin führt sie für Unternehmen Potentialanalysen und Assessment Center durch. Dabei brennt uns auf der Seele, was eigentlich eine Potentialanalyse ist? Welche zentrale Eigenschaft brauchen Führungspersönlichkeiten? Und wie laufen Assessment Center ab, dass es glauben lässt, man könnte daran die Persönlichkeit eines potentiellen Mitarbeiters abschätzen? Über das Wochenende haben wir die zentralen Fragen gesammelt und Kaja und ich leiten das Gespräch, während Franzi und Maike ordentlich im Off mitschreiben. Dabei bestätigt Frau Heyer voll und ganz unsere Wahrnehmung von Fachkräftemangel bei gleichzeitigem Outsourcing und Arbeitslosigkeit von oberflächlich-unqualifizierten Arbeitskräften. Sie klärt uns über die Vorgehensweise in Assessment Centern auf (Fähigkeiten im Improtheaterbereich von Vorteil!) und erläutert für uns die wirklich interessanten Punkte bei einer Potentialanalyse (wenns nur um Soft Skills ginge, wäre wir alle High Profile). Wer braucht schon das Fachwissen, steht doch bei Wikipedia! Letztendlich versichert uns Frau Heyer ist alles erlernbar, außer das Reflexionsvermögen.

Heute ist der Tag an dem wir Wini unsere ersten szenischen Ergebnisse präsentieren wollen. Deshalb wollen wir uns heute auf die szenische Arbeit konzentrieren und für den Rest des Tages die Recherche ruhen lassen.

Ulli hat für uns verschiedene Rhythmen auf dem Schlagzeug vorbereitet, mit denen wir unsere Stöckelschuh-Performance verfeinern wollen. Uns alle einem gleichen Takt zu unterwerfen kostet uns fast zwei Stunden und Ulli viele Nerven, doch als wir uns am Ende für den Bossa Nova entscheiden, klingt unsere kleine Schuhpercussion schon richtig gut. Maike und Ulli schieben sich mit Stimme und Gitarre über den Rhythmus, entscheiden aber dann, das für einen anderen Tag aufzusparen.…
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6.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 11

06.07.12 / Kaja

Wetter: nach Regen, unerwartet ein schöner Tag
Arbeitszeit: ziemlich früh bis nach Mittag
Stimmung: interessiert, Museumsgedrückt
Eindrücklichste Bild: Maike auf der anderen Seite des Bahnhofs winkt
Eindrücklichster Moment: Maike und Johanna an den Tasten
Zustand der Utopie: nicht feststellbar
Lieblingszitat: „Lust und Liebe zur Arbeit. Das ist der Baugrund für Deinen Aufstieg.“

Es ist Exkursionstag! Wir sind kreuzfrüh aufgestanden, nach Hamburg gefahren und stehen jetzt vor dem Museum der Arbeit. „Ich dachte, das wäre so ein Popel-Museum. Aber das ist ja richtig groß!“ sagt Ulrike und gibt damit den Auftakt zum Betreten des alten Fabrik-Gebäudes in Hamburg-Barmbek. Das Museum der Arbeit zeigt uns die geschichtliche Dimension der Arbeit in der Entwicklung von Manufakturen über Industrialisierung bis zum Post-Fordismus. Dabei geht es auch ganz praktisch um das Wie der Arbeit. Wir stolpern also im unteren Geschoss durch einige Exponate einer ehemaligen Abzeichen-Fabrik, die in ein Hinterhaus in Hamburg-Hohenfelde passte. Weiter geht es durch die Geschichte des Druckes und ein Kaufmannsunternehmen, das mit Rohstoffen aus den ehemaligen Kolonien handelte. Hier bleiben wir zum ersten Mal hängen. An zwei Schreibmaschinen kann man testen, ob man den damaligen Einstellungstest bestehen würde. Guter Dinge setzen wir uns an die Maschinen. Wir sind sicher, so schlecht werden wir nicht abschneiden, schließlich können wir fast alle 10Finger-Tippen, sind nicht langsam an der Tastatur.
Als nach 4:06min die Stoppuhr anschlägt und wir noch nicht mal durch die Hälfte des Textes gekommen sind, und schon gar nicht fehlerfrei, wissen wir: der Unterschied zwischen Tippen und Tippen ist deutlich grösser. Im Anschluss an den Besuch wird sich eine Diskussion darüber entspinnen, ob die Typistin nicht weniger entfremdet ist von ihrer Arbeit als wir, die wir nur noch mit Wisch- und Antipp-Gesten an kleinen schwarzen oder weißen Kisten arbeiten. Ich selbst habe mich bisher nie als besonders entfremdet gesehen, weil ich ja ein Produkt (nämlich mein Projekt) von Anfang bis Ende verfolge.…
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5.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 10

05.07.12 / Johanna

Wetter: bedeckt und doch sonnig
Arbeitszeit: 12:15 bis 20:30 Uhr
Stimmung: motivationslos und doch erfolgreich
Eindrücklichstes Bild: Ein Playmobil-Männchen wirft mit Anglizismen um sich
persönl. Lieblingswort heute: Human Resource Management
Utopie: Die erste Bohne hat sich ihre Bahn gebrochen
Lieblingszitat: „Ich habe mir ein Talent mitgebracht: Mister Mint!“

Noch bevor die eigentliche Arbeit beginnt, gehen Maike, Franzie und ich zum Oldenburger
Lokalradiosender „O1“ um für unser Projekt im Allgemeinen und unser Try-Out in genau
einer Woche im Besonderen Werbung zu machen. Das läuft sehr gut und beschwingt uns
für die Arbeit. Wir treffen uns mit Kaja und Mareike im Theater und stellen fest, dass es außer einem Ameisenkrieg keine nennenswerten Probleme gibt. In der Ameisenfrage wird allerdings beschlossen, nun zu Massenvernichtungswaffen über zu gehen. Wir scheißen auf unser Karma! Doch dann kommt er, der Tiefpunkt, der uns für den Rest des Tages umhauen und nicht mehr los lassen wird: auf dem Mittagessen-Experiment-Plan steht heute Kantinenessen. Deshalb trotten wir gemeinsam in die öffentliche Kantine der Öffentlichen – weil sie die einzige Kantine ist, die wir kennen. Doch das Essen schmeckt überhaupt nicht – innerhalb von Minuten ist die Stimmung auf dem Nullpunkt. Kaja und Franzie verzichten sogar freiwillig auf den eingangs gewählten Pudding, der auch altes, aufgeschäumtes Kaugummi sein könnte. Rückwirkend kann man festhalten: wer uns nicht anständig füttert, kann nicht erwarten, dass wir mit ihm spielen.
Zurück im Theater bekämpfen wir die dadurch verursachte Demotivation mit der Präsentation der gestern in Kleingruppen erarbeiteten Szenen. Ich stelle mit Maike und Kaja unsere musikalisch-rhythmische Vision in Polkadots vor. Ulli und Franzie geben mit Kopfhörern und Stimmverzerrer ihre Interviews unter dem Motto: „Liebst du deine Arbeit wirklich?“ in der Playmobil-Version wieder. An beiden Szenen wird noch ein wenig rumgestöckelt und weitergesponnen, bis Kaja mit der Aufgabe rausplatzt: „In fünf Schritten zum passenden Beruf!“ Wir brainstormen kurz und entwickeln dann das Berufsorakel, welches anhand der Fragen: „In welcher Klimazone würdest du gerne arbeiten?…
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3.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 8

03.07.12 / Maike

Wetter: sonnig, unerwartet warm bis heiß, milder Sommerabend
Arbeitszeit: 14:00 bis 20:00 Uhr + Vormittagsrecherchen
Stimmung: erschöpft, bisweilen verwundert, aber mit viel Aha-Effekt
Eindrücklichste Bild: das Gesicht der Empfangsdamen- und herren unterschiedlicher Unternehmen beim Erklären unseres Vorhabens
Eindrücklichster Tisch: Bremer Landesbank
Eindrücklichster Moment: Die Tür ist zu
Neuzugänge Garten: 2 (Kresse + Tomate No. 2)
Lieblingszitat: „Wir haben ein vielleicht etwas absurdes Anliegen…“

Zwei Vorhaben liegen heute vor uns: wir werden diverse Oldenburger Unternehmen besuchen und sie darum bittten, ihre Meeting-, Konferenz- bzw. Besprechungstische fotografieren zu dürfen. Nach der Pause präsentieren wir die Ergebnisse unseres Rundgangs und gehen danach in eine Lesephase über.

In zwei Gruppen (Johanna + Franzi sowie Kaja + Ulli + Maike) ziehen wir los und klopfen an die Türen von Büros, Verbänden, Banken… unsere Erwartungen gehen auseinander und ebenso unser Erfolg bei der Suche nach Bildmaterial. Wie erwartet, werden wir bei vielen Unternehmen abgewimmelt, im Falle eines Neins kommt dies selten direkt von der verantwortlichen Person selbst, sondern wird über die SekretärInnen und Empfangspersonen vermittelt – wie auch schon unsere Anfrage zuvor.
These 1: je mehr Stationen sich zwischen (unsichtbarer) Chefetage und Anfragenden befindet, desto schwieriger ist es eine Zusage zu bekommen.
Unsere Anfrage klingt auf einmal viel weniger seriös, sobald sie von den Angestellten des Unternehmens am Telefon wiedergegeben wird. Jedoch egal ob ja oder Nein: der Ablauf scheint immer ähnlich, von der irritierten Grimasse (und ja, man muss es so bezeichnen) bis hin zur Ratlosigkeit angesichts der Telefonliste: wer ist dafür zuständig, wenn jemand einen Konferenztisch fotografieren will?
These 2: unsere unverfängliche Anfrage wirkt verdächtig. Sie evoziert die Frage, ob man anhand eines Tisches etwas über das Unternehmen herausfinden könnte, das besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte… was auch immer das sein mag.

Nach unserer Rückkehr reenacten wir unsere Anfragen, sowie Wartesituationen und zeigen uns die Bildbeute.…
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2.
Jul
2012

Logbuch #4 – Tag 7

02.07.2012

Franzi schreibt Logbuch und hier könnt ihr es als pdf sehen……
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27.
Jun
2012

Logbuch #4 – Tag 6

27.06.

Wetter: grauer Himmel, drückend, klamm
Arbeitszeit: 13.30-21.00 Uhr
Stimmung: ok, wir machen hier was tolles, aber jetzt könnte ich schon ein WE vertragen…
Eindrücklichster Moment: unsere Stimmen kommen aus den Boxen Unbedingt fest zu halten, aber komplett nutzlos: „Wir machen Honig! Wir machen Honig! Was machst Du? Wir machen Honig! Wir machen Honig!“
Schönstes Bild: Die Vorstellung, wie Maike in Kampfmontur von Bundespolizisten vor einer Projektion von Krawallmachenden Playmobile Männchen mit brennenden (Matchbox)Autos steht und „I saved the world today“ singt.
Am häufigsten gesagt: Was wäre, wenn
Lieblingszitat: „blind prozessierende Arbeitsbienen“

Dann mache ich ein Gedanken-Experiment mit allen: Was wäre, wenn Make it work! doch eine Produktion wäre, und wir am 2. August Premiere hätten. Was wäre, wenn am darauffolgenden Tag fünf Kritiken erschienen. Wir schreiben diese Kritiken.
was dabei herauskommt, überrascht uns alle: Maike entwirft einen utopischen Aufstand in Oldenburg: die Innenstadt wird von einem randalierenden Mopp durchzogen, der – angestachelt von unserem Theaterabend – Forderungen skandiert und die Großbanken der Stadt anzündet (s. Anhang).

Franzi hat eine Stationendramaturgie im Kopf, in der die Zuschauer in kleinen Gruppen verschiedene Aufgaben lösen und dabei immer wieder von Szenen unterbrochen werden. Johanna sieht eine riesiges Perpetomobile auf der Bühne, an dem Performerinnen wie Zuschauer gleichermaßen während des Abends arbeiten. Ulli schließlich lässt Maike und mich von der Decke hängend eine Lecture machen, während unter uns eine Armee von Playmobile Männchen den Raum übernimmt. In all dem ziehen sich Schillers Glocke und Annie Lennox I saved the world today verdächtig einstimmig durch…
Zur weiteren Imagination der Premiere entwerfen wir eine Zwicky-Box für die Produktion mit allen wichtigen theatralen Parametern. Obwohl wir uns nicht recht auf einen Entwurf einigen können, lässt sich festhalten, dass folgendes vorkommen wird: eine work-songs-spielende Big Band, Flashdance-artige Revue-Elemente, Lampinons, Dramentexte und Gedichte à la Schillers Glocke und Die Perser sowie Kriegsbemahlung im UK Performance Stil.…
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26.
Jun
2012

Logbuch #4 – Tag 5

26.06./Johanna

Wetter: verdunkelt, aber trocken
Arbeitszeit: 14:00 – 20:00 Uhr
Stimmung: läuft
Eindrücklichster Moment: Palestrina hören in der Lunchpause
Bestes Zitat: Ulli: „Der Preis für die Utopie ist die Diktatur.“
persönl. Lieblingswort heute: Futurologie
persönl. Tageserkenntnis: Utopien tun weh
persönl. Orakeln: Das Auslosverfahren ist absolut fair und hält sich an die Reihenfolge.
Die Utopie: Ungediehn, aber um eine Tomate, zwei Salate und eine Minze erweitert.

Heute ist Szenarientag. Maike hat sich dafür in eine intensive Recherche in der Futurologie begeben und den Tag für uns strukturiert, damit wir umso freier utopieren können. Kaja hat plötzlich noch den Geistesblitz einer Erinnerung an „Per Anhalter durch die Galaxis“. Douglas Adams lässt darin alle Bewohner des Planeten in drei Raumsschiffe steigen. Am Ende stirbt die ganze Bevölkerung an gifitigen Telefonhörern. Das bringt uns zu der Frage, auf welche Berufe wir in unsrer Utopie verzichten würden. Aber wir müssen erstmal bei den Wurzeln anfangen: dem Begriff der UTOPIE an sich.
Zunächst brainstormen wir in Parkaue-Manier – schweigend und mit nur einem Stift um unsere Gedanken in den gemeinsamen Pool zu werfen. Vom Amazonenstaat (vor dem wir uns alle seltsamerweise fürchten), über den SAT.1-Film (den wir alle noch mehr aber nicht seltsamerweise fürchten) und Atlantis (über dessen Schicksal wir uns nicht einig sind), bis zu Kapitän Kirk, der auf Nackte im Paradies stößt (an dieser Stelle wollen wir sicherheitshalber und ganz freiwillig nicht weiterdenken). Fazit dieses ersten Brainstormings ist, dass wir die Utopie auch in einer utopiefreien Zeit als Grundlage für eine Neuerung dringend brauchen.
Bei unserem zweiten Brainstorming zu „Was macht Arbeit attraktiv?“ sind wir schnell bei „Geeeeeeeeld!!!!“. Das macht Kaja ganz unglücklich, aber hier sind wir am Kern des Problems. Als Gegenentwurf möchte Kaja eine Gesellschaft in der Leute nur das auch arbeiten müssen, was ihnen Spaß macht. Und wir wollen eine Welt, in der Betriebe die Verantwortung für die Freizeit, die Kitas und die Gesundheit ihrer Angestellten übernehmen.…
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25.
Jun
2012

Logbuch #4 – Tag 4

25.06.2012

Hier haben wir uns für euch mal eine andere Form ausgedacht. Logbuch als pdf:
bitte hier öffen…
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24.
Jun
2012

Logbuch #4 – Tag 3

24.06.
Wetter:                                              durchgehend regnerisch, ungemütlich
Arbeitszeit:                                       10:00 – 14:00 Uhr
Stimmung:                                         sonntäglich, unkonzentriert aber gut
Eindrücklichster Moment:              „Die Franzi“ unter Kameraüberwachung, wie sie nichts
tut
Bestes Zitat:                                     Ulli: „Meine Performerpräsenz geht gegen null.“
special guest:                                    Klara
persönl. Lieblingswort heute:        mäandern
persönliche Tageserkenntnis:       periphär produktiv prokrastinieren
Gedanke für die kommenden Tage: Vielleicht wärs gut, am Ende des Tages eventuelle
Fazits zu sammeln?

Es ist Sonntag und viellleicht hat es eine Berechtigung, dass Sonntags tradtionell nicht gearbeitet wird. Die Motivation gegen 10 Uhr hält sich in Grenzen, wir werfen einen Blick auf den Arbeitsplan für das Wochenende und stellen fest, dass selbst dieser uns nicht die Struktur zu geben vermag, die wir nun bräuchten, um effektiv zu arbeiten.

Dann arbeiten wir eben nicht effektiv.
Wir präsentieren unsere „Hausaufgaben“. An jeden erging die Frage nach einer einzigartigen Fähigkeit bzw. einem Talent. Franzi kann gar nichts, Ulli konnte es nicht herausfinden, denkt sich aber für Franzi eine Präsentationsmethode aus.

Kaja ist ein Strukturtalent und veranschaulicht dies im Interaktionsprinzip auf der Papierrolle. Maike kann komplizierte Sachverhalte auf einen ironischen Satz runterbrechen und Johanna kann außer Desserts nichts wirklich kochen – die aber zuverlässig lecker. Spätere Erkenntnis: Wir sind alle sehr gut im suggerieren.

Im Mäandern stoßen wir außerdem auf Mittel: eine Person wird in einen Raum gesetzt, per Kamera in einen anderen übertragen, wo über die Eigenschaften und Tätigkeiten der Franzi und der Ulli referiert wird. Zuschreibungen, Behauptungen, Deutungen. „Es ist ratsam, die Ulli nicht mit nach Hause zu nehmen, aber man kann gerne jederzeit bei uns vorbeikommen und ihr Denkaufgaben stellen.“ Für mich wird herausgefunden, wie ich produktiv prokrastinieren kann. Wie sind wir jedoch bei Tierbeobachtungen gelandet und was haben die mit Arbeitern in einem Großraumbüro zu tun?


Wenn auch Mäandern nicht mehr hilft, gibt es offenbar zwei Möglichkeiten: sich an die Agenda halten (wir müssen noch einen Arbeitsplan für die kommenden zwei Wochen aufstellen) oder ein Spiel spielen.…
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23.
Jun
2012

Logbuch #4 – Tag 2

Wetter: sonnig mit treibenden, weißen Wolken
Arbeitszeit: 13.30-18.30 Uhr
Stimmung: Freudig, „oh ja, das machen wir!“
Eindrücklichster Moment: Maike: „Nein, das hast Du nicht wirklich getan! Eisbär-Pfleger!?!“
Bester Gedankenblitz: „Arbeit als Versorgungsnotwendigkeit, der Garten als Utopie der
Selbstversorgung im solidarischen Kollektiv“
Schönstes Bild: Franzi mit dem Kresse-Männchen
Am häufigsten gesagt: Utopie/ utopisch

Heute ist der erste Tag, an dem ich, Kaja, das Logbuch führen darf. Wir haben uns vorgenommen, dass jeden Tag eine von uns schreibt, die wir erst am Ende des Tages dafür durch das Los bestimmen. Das Verfahren stellt sicher, dass keine von uns den ganzen Tag blockiert ist mit dem Gedanken an die Frage, was denn heute wichtiges passiert und was zu notieren ist. Der Tag soll erst im Rückblick und sehr persönlich festgehalten werden. Heute ist also mein erster Tag!

Von gestern trage ich heute noch dieses Foto nach, dass wir quasi als Eröffnung unserer Arbeit in Oldenburg betrachten können: „Seht her, hier sind wir!“
Hallo Welt!

Heute beginnen wir den Tag mit dem nochmaligen Lesen der „was ich schon immer machen wollte“ Liste. Wir sind immer noch genauso entspannt. Und begeistert von der Freiheit, die wir uns nehmen können. Das Urban Gardening Projekt wächst schon jetzt in unseren Köpfen und treibt Stilblumen wie einen kurzen, aber nachhaltigen Verweis auf die Floskel „keinen Blumentopf gewinnen“.

(Utopie wächst…)

Ganz strukturiert und motiviert gehen wir danach das Konzept noch einmal durch und arbeiten uns diskursiv an dem bereits Gedachten ab. Heraus kommen neue Bedürfnisse und Begriffen:
– Utopie/ Szenariotechnik/ Planspiel
– Potenzialanalyse / Assessment Center
– Arbeit/ Nicht-Arbeit/ Flow/ Wert von Arbeit
Das wird wohl die nächsten Gedanken bestimmen.

Anschließend geben wir uns wieder mehr Freiheit und spielen: Team-Meeting (ja, wir haben alle ein Klischeebild im Kopf) und Was bin ich?. Letzteres zieht sich in die Länge und hinterlässt uns mit der Ahnung, dass Berufe zu raten viel schwieriger ist und an viel mehr Faktoren hängt als Dagmar Berghoff zu sein…

PS:
Ulli hat den Coaching-Tipp von Maike beherzigt und kommt ab heute mit Plastik-Fächer-Mappe und Notizbuch zur Probe……
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22.
Jun
2012

Logbuch #4 – Tag 1

22.06.
Nach dem Begrüßungstag gestern haben wir heute mit der Arbeit begonnen. Wobei wir uns hauptsächlich überlegt haben, was und wie wir überhaupt arbeiten wollen. Ausgehend von einer Liste auf der wir sammelten, was jede von uns unglaublich gern mal auf einer Bühne oder inhaltlich machen würde, haben wir einen Plan aufgestellt, was wir in der ersten Woche gern probieren wollen. Kaja möchte mit mobilen Projektionsflächen experimentieren, ich bestelle Playmobil-Büro-Männchen, Franzi möchte tanzen und Maike mal was mit Hörspiel machen oder sowas ähnliches. Nachdem wir unseren Arbeitstisch vom Foyer auf die Bühne verlagern, macht Kaja spontan eine Mini-Lecture über ihren Arbeitsplatz. Eigentlich braucht sie nur Laptop, Mappe, Smartphone und kann dann überall arbeiten. Stolz präsentiert sie in welchen Ländern die Mappe schon war: Korea und Österreich – und noch ein paar mehr. Maike braucht hingegen mehr Platz und wünscht sich einen Schreibtisch in Form einer Küchenzeile, auf dem sie ihren gesamten Kram von allen Projekten ausbreiten kann. In der Mitte steht ein Arbeitsaltar mit Laptop. Franzi und ich hingegen brauchen Arbeitsmaterial und -struktur-Beratung. Wir sind beide schlechte Selbstmotivatoren und ich im speziellen versuche mir immer praktisches Büromaterial zu besorgen und arbeite schlussendlich hauptsächlich mit meinem Handy. Maike sagt, ich brauche einen PA. Ich weiß nicht was das ist. Personal Assistant. Aha. So was will ich aber nicht. Schlussendlich schnappen wir uns die Videokamera und machen kurze Filmchen in denen wir unsere momentane Arbeitssituation und -präferenzen erklären. Kaja hat letztens sogar drei Wochen Urlaub gemacht!…
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