30.
Aug
2017

Logbuch #31 Woche 3

Woche  03.
Bodies We Fail
Logbuch

Montag 21.August

Im Zuge der Reflexion unserer bisherigen Recherche kristallisierten sich vor allem zwei wesentliche Aspekte des Monströsen heraus: Der Aspekt der Visualität sowie der Aspekt der Oralität.

Am heutigen Tag widmeten wir uns vor allem Zweiterem. Zunächst wärmten wir unsere Stimme auf und entschieden uns hierzu für die Praxis des Authentic Voicing, welche zugleich bereits einiges für uns fruchtbares Material zutage treten ließ.

Sodann entschieden wir uns für eine Erweiterung und Vertiefung unserer “Monster practice”, welche wir kurzerhand als “Practice the oral monster” bezeichneten. Der Mund stand dabei ganz im Zentrum unserer Erkundung – Prozesse wie Schlucken, Spucken, Verstimmlichen, Grunzen, aber auch die Erkundung unterschiedlichster Gegenstände mit unseren Mündern.

Claire führte uns sodann in die Praxis von stimmlicher Improvisation über sich wiederholenden Soundloop ein – eine Praxis, welche durch ihr formales Prinzip der Wiederholung zugleich auf die formalen Qualitäten unserer “Monster practice” verweist.


Dienstag 22. August

Nach einem Gemeinsamen 5 Phasen warm up in dem wir unsere gewohnte warm up Praxis SHAKING FUCKING FAST SLOW mit neuen Elementen von CARE, MEDIATION und DANCE DIALOGUE verbinden, erforschen unsere PRACTICE OF THE MONSTER wieder neu unter dem Gesichtspunkt des narrativen. Wir erarbeiten eine Art der Narration, welche sich in der Kontinuität der bewegten Form, von inneren und äußeren Reizen gespeist, in jedem Moment neu offenbart. Wir arbeiten mit der individuellen Praxis dieser INSTANT NARRATION und setzten uns drei gemeinsam damit in die PRACTICE OF THE MONSTER. Individuelle Narration überlappen sich mit kollektiver Narration.

Wir erforschen die PRACTICE OF THE MONSTER auch im Bereich der EMBODIMENT OF OTHER SPECIES. Durch die Verkörperung verschiedener Tiere erforschen wir den Bereich der Zwischenwesen und treten einander in einer anderen Ordnung gegenüber.

Anschliessend führen wir ein langes und wichtiges Gespräch über Kollaboration, Verantwortung, Hierarchie und die Zukunft unserer Zusammenarbeit nach der Flausen Residenz.…
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22.
Aug
2017

Logbuch #31 Woche 2

Woche  02.
Bodies We Fail
Logbuch

 Montag 14.08
Zumal Michael erst eine Woche später nach Bielefeld reiste, stand unser erster gemeinsamer Tag hier zu dritt zunächst ganz im Zeichen eines ersten körperlichen Zusammenfindens. Dabei eröffnete sich uns zunächst die ganz elementare Frage:
Wie wärmen wir uns, angesichts unserer körperlichen Differenzen, gemeinsam auf?
Wir entschieden uns für eine Warm-Up Praxis, die wir von im Rahmen diverser Workshops von Keith Hensessy kennengelernt haben. Eben diese Praxis teilt sich in drei Phasen: Shaking, fucking the space, slow movement. Diese elementare Struktur erlaubte uns, das gleiche Bewegungsmaterial zu teilen und dennoch unserer Körperlichkeiten in je eigener Weise einzubringen.
Sodann stellte sich uns in einer ersten gemeinsamen körperlichen Annäherung an unser Thema die Frage: in welcher Weise und in welcher Form können wir das monströse, wiederum vor dem Hintergrund unserer körperlichen Differenzen, gemeinsam bewegungspraktisch übersetzen?
Wir entschieden uns für die Anknüpfung an ein Material, das wir bereits vor längerer Zeit kurz angerissen haben und dessen zugrunde liegende Bewegungspraxis wir als “Practice the Monster” bezeichnen: Ausrichtung zum Publikum bzw. zur Kamera, wiederholte monströse Gesten der Selbstdarstellung sind dabei zentrale Motive.
Schlussendlich befassen wir uns mit der Frage: In welcher Weise können wir zudem Monströsität stimmlich übersetzen?
Dabei erprobten wir die Praxis “Spirit of the introject”, welche ausgehend von einer Modulation der Atmung unterschiedliche Affekte evoziert.
Dienstag 15.08.
BRAINSTORMING DAY
Unser erstes Treffen mit unserem Mentor Gustavo erweist sich als freudiges aufeinandertreffen ähnlichgesinnter freaks. Gustavos künstlerischer Erfahrungswert in der Arbeit mit unterschiedlichen Körperlichkeiten, Genderidentifikationen und Menschen verschiedener kultureller Hintergründe erlaubt es uns ein weites Netz an für unsere Recherche wichtigen und fruchtbaren Themenkomplexen zu Spannen. Wir sprechen über die Terrorisierung des Körpers, über Sexualität und die Dekonstruktion von Rollenbildern in der Sexualität als Motor der uns hilft die Welt in und um uns zu verstehen. Wir verstehen Sexualität als Überbegriff der in Allem enthalten ist.…
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15.
Aug
2017

Logbuch #31 Woche 1

Woche  01.
Bodies We Fail
Logbuch

Montag 7. August
Anreise nach und Ankommen in Bielefeld.
Treffen mit dem Flausenverband und dem Theaterlabor Bielefeld.

Dienstag 8. August
Nach unserer gestrigen Ankunft aus verschiedenen verrückten Kontexten sammeln wir uns im Theaterlabor Bielefeld um gemeinsam mit der Recherche zu BODIES WE FAIL zu beginnen. Die Auseinandersetzung mit scheinbar gescheiterten, oder nicht der Norm entsprechenden Körpern und die Frage, wie genau die spezifischen Eigenheit, die Beschaffenheit, das “Scheitern” dieser Körper als besonderer “Skill” und als Form der Virtuosität definiert werden können, bildet die Augsgangslage für unsere Arbeit hier. Spezifischer formulieren wir für die kommende Arbeitswoche folgende Fragen zu Monströsität und Virtuosität:

MONSTRÖS
Was ist ein Monster?
Was macht ein Monster aus ?
Welche Attribute lassen es uns als solches erkennen?
Was ist monströse Situation?
Gibt es monströse Zustände, sowohl körperliche als auch geistige?
Welche Vergangenheit und Geschichte hat das Monströsen in Kunst, Kultur und Gesellschaft?
Wie sieht ein zeitgenössisches Monster aus?
Wie und warum taucht das Monströse in Kultur, Popkultur und zeitgenössischer Kunst auf, zb. Wie in
Musikvideos von “die antwoord” und “arca” aber auch in Arbeiten von Mathew Barney.
Gibt es es ein Ästhetik des Monströsen?
Welche Rolle spielt das Monster in unserer Gesellschaft?
Welche Funktion hat das Monster innerhalb sozialen Lebens?
Brauchen wir Monster? Brauchen wir Freaks, und warum?
Welche Rolle spielt Voyeurismus gegenüber als monströs definierten Körpern?
Wie betrachten wir Monster?
Betrachten wir sie wie wir Tiere betrachten?

VIRTUOS
“Ein Virtuose ist jemand, der eine bestimmte Fähigkeit bis zur Perfektion oder mithilfe einer besonderen
Musikalität und Technik beherrscht “ wikipedia
Könnten wir über Körper, die von bestimmten Fähigkeiten ausgeschlossen sind als Träger einer ganz
neuen und eigenen Virtuosität sprechen?
Was verstehen wir unter Virtuosität?
Wiekönnen wir eine Virtuosität entwickeln, die der spezifischen Konstitution unseres Körpers entspricht?
Wie können wir mit der Eigensinnigkeit des Körpers arbeiten?

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