1.
Jul
2016

Logbuch #23 Woche 4

­internil

FRONTEN

In den vier Wochen ihrer Forschungsresidenz beschäftigen sich die Mitglieder von internil am Beispiel des Ukrainekonflikts mit den propagandistischen Potentialen unterschiedlicher Erzählformen. Für jeden der vier Arbeitsblöcke berichtet ein anderes Mitglied vom Forschungsprozess. Aber: Nach den vergangenen Logbuch-Versuchen aus jeweils ¼-Perspektive, hat sich die Gruppe ab der dritten Woche für 4/4 Perspektiven entschieden, hoffend, der ganzen Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

4. Block. Woche vom 27. – 30.6.16

Konkrete Arbeit an Erzählformen, Vorbereitung auf Präsentation

27. – 29.
Einarbeiten der Hinweise des Feedbacks von Dienstag: (Reihenfolge wie in Auflistung s. unten)
– C. arbeitet an Verständlichkeit Sprache durch Maske mit Hilfe v. Kollegen und Kolleginnen

– A. arbeitet an Ästhetik des War Games und feilt an Geschichte

– K. integriert Rechercheergebnisse in Science-Slam-Form

– M. arbeitet an Dramaturgie der Geschichte
Feedback hilft.

Präsentation – Vorbereitung mit Suse, letzte Änderungen
Ablauf: Begrüßung im Foyer, Austeilen des Liedtextes ukrainische Nationalhymne, Singen der ukrainischen Nationalhymne, Präsentation einzeln erarbeiteter Erzählformen (Reihenfolge wie in Auflistung s. unten)
Wenig Publikum, das bei Zwischenbesprechungen interessantes Feedback gegeben hat.

Nach der Präsentation
Gemeinsames Erinnern des Feedbacks
4 untersch. Perspektiven werden nach Präsentation beschrieben als stark unterschiedliche Erlebnisse in rationaler und emotionaler Rezeption, Steigerung über den Abend von angenehm/nett zu schlimm/fast nicht zu ertragen

Gemeinsamkeit: Internetrecherche und sich daraus ergebender Umgang mit Information typisch geworden für politisches Verhalten
1. NATO-Märchen: je weiter man sich in Erzählung von Vergangenheit Richtung Gegenwart nähert, desto komplexer erscheinen Zusammenhänge (Historie, die weiter zurückliegt akzeptiert man eher als Märchen – in Gegenwart würde sich möglicherweise eher Widerspruch regen); macht Unterschied, wie alt Publikum ist, wieviel Vorwissen vorhanden ist; Form der Geschichte ist so nett, dass man Leute mit bestimmter Form von Geschichtserzählung verführen kann; Methodik während der Erzählung: erst unbequeme Wahrheiten vorfüttern (Vertrauen aufbauen), um später Fehlwahrheiten einstreuen zu können, denen man nunmehr eher Glauben schenkt

2.…
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28.
Jun
2016

Logbuch #23 Woche 3

internil
FRONTEN

In den vier Wochen ihrer Forschungsresidenz beschäftigen sich die Mitglieder von internil am Beispiel des Ukrainekonflikts mit den propagandistischen Potentialen unterschiedlicher Erzählformen. Für jeden der vier Arbeitsblöcke berichtet ein anderes Mitglied vom Forschungsprozess. Aber: Nach den vergangenen Logbuch-Versuchen aus jeweils ¼-Perspektive, hat sich die Gruppe ab der dritten Woche für 4/4 Perspektiven entschieden, hoffend der ganzen Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

3. Block. Woche vom 20. – 24.6.16
Abschluss der Recherchephase. Festlegen auf die Inhalte der jeweiligen Erzählformen. Konkrete Arbeit an Erzählung Geschichte Bericht Märchen Schwank etc.

M.
Die anfängliche Entscheidung eine Propagandaversion mit biographischem Ansatz zu bedienen, zieht andere wesentliche Entscheidungen nach sich. Wenn man sich einmal für eine Setzung entscheidet, dann wird der Gaul nicht plötzlich zum Huhn. Einsicht über wiederholtes Probieren und Sammeln von realer Fehlerzählerfahrung.
Was folgte: Abstand von zu großem Ausschweifen innerhalb erfundener Erzählungen, die literarisch schmerzhaft und inhaltlich nicht zielführend sind. Besinnen auf wesentliche Ereignisse wie Augenzeugenberichte und den Kern, um den sich’s drehen soll: wesentliche bis dato nicht aufgeklärte menschenrechteverletzende Ereignisse während der heißen Phase vor Ausbruch des Bürgerkrieges in der Ukraine. Angst vor spezifischen Gewaltsituationen in krisenbelasteten Regionen auf globaler Ebene.
Analyse des Versuchs, der sackgassig verlief: lineare Erzählung entwickeln entlang des zuvor en detail recherchierten Zeitstrahls der Ereignisse (Fokus: Maidan-Schüsse, Odessa-Brand) – zu konstruiert, zu viele Infos, zu weit entfernt von emotionalem Kern, und jedes Mal weiter entfernt von irgendeinem Kern. Abstand nehmen von Versuch, drei sehr unterschiedliche Wiki-Versionen in einer Geschichte vorkommen zu lassen.
Um zu entknäulen, zurück zum Urschleim: Warum biographische Perspektive mit gleichzeitigem Versuch, sie fiktiv aufzuladen? Und wenn, dann wie? In welchen Erzählzusammenhängen glaubt man Augenzeugenberichten mehr? Bleibt mehr hängen, wenn man Gewichtung auf lebendiges Beweismaterial legt? Oder gewinnt der gut recherchierte Zeitungs- bis OSZE-Bericht? Wie gewichtet man in biographischer Erzählform den Anteil an mulitiperspektivischem Informationsgehalt gegenüber subjektiv Eindrücklichem?…
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20.
Jun
2016

Logbuch #23 Woche 2

internil
FRONTEN

In den vier Wochen ihrer Forschungsresidenz beschäftigen sich die Mitglieder von internil am Beispiel des Ukrainekonflikts mit den propagandistischen Potentialen unterschiedlicher Erzählformen. Für jeden der vier Arbeitsblöcke berichtet ein anderes Mitglied vom Forschungsprozess. Den zweiten Arbeitsblock von insgesamt 8 Tagen teilen wir in 2 Log-Bücher auf.

FR 10.06. (Tag 5)
Sind vor einer Woche angekommen. Suse ist krank, CB nicht da, Abgabe Logbuch vorbereiten AV, Arbeitsplan bis inkl. Montag machen. Odessa-Artikel Brand im Freitag von Marina lesen. Reflexion: zu viel auf einmal bislang (Inhalt, Recherche, Präsentation, Erzählform ausprobieren). Gut aber stressig: alle arbeiten für sich, dann kommen alle für Präsentationen zusammen, kurze Intervalle. Individuell mal mehr Fokus auf Form, mal auf Inhalt. Wichtig: festlegen, wann Materialsammlung beendet ist.

SA 11.06. (Tag 6)
Aufwärmtraining KH, Aufwärmtraining MMD, CB, AV. Gemeinsam Karate. Fortsetzung und Vertiefung der Recherche vom Vortrag. Ich frage mich, ob ich die MH17 Geschichte mit der der ukrainischen Pilotin Nadija Sawtschenko verbinden könnte. MMD Präsentation endet auf einem „Gang der Schande“ Video.

SO 12.06. (Tag 7)
Aufwärmtraining KH, Aufwärmtraining MMD, CB, AV. Gemeinsam Karate. Wir singen die ukrainische Nationalhymne. Theoretische mini-Präsentation über die Formate Doku-Fiktion, Doku-Drama und Living History kommt mittelgut an. Einzel-Recherche, Themenvertiefung, Geschichtenschreibstube. Versuche mit Soundmasken. Was ist eine PowerPointPräsentation im Jahr 2016? Abends aufgrund von mäßigem Internet nur live Ticker für EM Spiel Deutschland – Ukraine.

MO 13.06. Suse // Winfried // Mareike (Tag 8)
Aufwärmen, Zugverspätung. 1. Tag mit unserer Mentorin Suse. Wissenstransfer FAKT #1: Frau Slomka, die Nachrichtensprecherin vom ZDF heute Journal spricht richtig fies. Wissenstransfer FÄHIGKEIT #1: wir üben einen afrikanischen Jodelkanon ein. Suse erzählt uns die Ochsengeschichte, wir erzählen dann auch jeweils die Ochsengeschichte. Weitere FAKTEN folgen: Ochsengeschichte ist ein Schwank (oder eine Wahrheitsgeschichte?); Reihenfolge Bennennung Figur: Heldin / Held zuerst, Hierarchie durch Chronologie; bei Schwenk wird zuerst vorgestellt, wer dann ausgetrickst wird.…
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15.
Jun
2016

Logbuch #23 Woche 1

internil

FRONTEN

In den vier Wochen ihrer Forschungsresidenz beschäftigen sich die Mitglieder von internil am Beispiel des Ukrainekonflikts mit den propagandistischen Potentialen unterschiedlicher Erzählformen. Für jeden der vier Arbeitsblöcke berichtet ein anderes Mitglied vom Forschungsprozess.

 

1. Block: Einrichtung und Recherche.

Grundfragen: Wie stellt sich unser Material dar? Welche verschiedenen Rechercheinteressen und individuelle Erzählweisen leiten uns? Was sind jeweils verbindende (teils systemische), was sind unterscheidende Elemente in Material und Präsentation? Wie und wo finden wir für jede von uns überhaupt einen Zugang und Ausgangspunkt zum Erzählen?

 

4 Tage.

 

Tag 1: Einstiegsgespräch, Diskussion und Verteilung von ersten Recherchefeldern, über die wir uns am folgenden Tag gegenseitig erzählen wollen: Praktischer Einstieg in die Grundstruktur der Forschung. Das ist die geheime Mobilisierung zum Stellvertreterkrieg im blinden Fleck der eigenen ideologischen Identität: Individualpluralismus: das große Geschlabber: die Krim als Sylt des imaginären Neugroßdeutschrussen.

Wir gehen mögliche ideologische Positionen durch: deutsch relativistisch, deutsch pro Putin (rechts), deutsch anti Putin (rechts), deutsch anti Putin (links), russisch pro Putin, russisch anti Putin (rechts), russisch anti Putin (links), ukrainisch nationalistisch, ukrainisch prorussisch, ukrainisch pro-EU… und wir haben noch gar nicht angefangen mit der Recherche. Keine objektive Wahrheit in Sicht – wer vom Krieg erzählt, muss und wird Position beziehen.

Wir stecken Recherchefelder für den Einstieg ab: Absturz der MH17, Maidan und die Scharfschützen, NATO-Osterweiterung und Wirtschaftsbeziehungen, „Der Janze Kriech“.

Wir merken uns Formate, die neben den thematischen Ansätzen zu untersuchen wären: Eine politische Position, die sich ausschließlich aus der Kommentar-Sektion von Welt und Zeit speist. Facebook als Organisations- und Propagandainstrument. Wikipedia-Live-Editwars als ultimatives Diskurstheater. Beweismittel Biografie. Jeder seine eigene kleine Trollfabrik.

Grobe Einteilung von Formen des für uns relevanten Erzählens: mit technischen Gadgets = multiperspektivisch, ausschließlich mit dem eigenen Körper = persönlich, mit medialen Hilfsmitteln = journalistisch. Was erzählt, neben dem Erzählten, die Erzählweise? Was erzählt die Chronologie und Kombination von Erzählweisen, also ihre Dramaturgie?…
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30.
Mai
2016

Logbuch #22 Woche 4 – Abschluss

Logbuch 4 – Abschluss

Ablauf des Making Of:

1. Gesprächsrunde im Foyer: Hintergrund, Forschungsfragen

2. Tutorial auf der Kellerbühne: Kurzer Eindruck des Spiels für alle, die es noch nicht gespielt haben

3. Feedback zum Tutorial

4. „Installation“: Wir öffnen das Level, führen herum, erklären und zeigen

5. Abschlussgespräch.

Als wir anfingen, standen folgende Fragen im Fokus:

Wie können wir ein Level bauen, das wie eine Open World funktioniert?

Wie können wir das Spiel so gestalten, das die Geschichte nicht zu kurz kommt, und nicht nur von den Spieler*innen wahrgenommen, sondern als integraler Bestandteil des Spiels verstanden wird?

Wie funktioniert im Zusammenhang damit Non-lineares Erzählen bzw. Spielen?

Lässt sich ein solches Format auch erschaffen, ohne „site-specific“ zu arbeiten?

In den ersten drei Wochen der Residenz hatten wir einige grundlegende Funktionsweisen für unser Spiel herausgefunden.

Um eine Open World zu ermöglichen, müssen alle Räume nicht nur immer zugänglich sein, sondern auch über Rätsel und Storyelemente miteinander verzahnt werden.

Die Schwierigkeit ist gewesen, zu diesem Endstadium der Residenz keine Schnellschüsse zu tätigen und alle Neuerungen aufs Genaueste auf der inhaltlichen Ebene zu überprüfen. Denn wie wir in allen vorangegangenen Testspielen gemerkt hatten, merken sich die Spieler*innen die kleinsten Details, auch die, die wir nicht beabsichtigt hatten, und spinnen sich daraus ihre eigenen Geschichten.

In den letzten Testspielen entschied sich am Ende fast jede Gruppe für das von uns so getaufte „Whistleblower“-Ende. Insgesamt war das Feedback der Testspieler*innen positiv und motivierend. Unser Format scheint Spaß zu machen, auch dann, wenn es inhaltlich ernstere Töne anschlägt. Dass es durchaus möglich ist, solch ein Level in einen Bühnenraum zu bauen, also nicht site-spiecific arbeiten zu müssen, ist ebenfalls eine wertvolle Erkenntnis.

Beim Feedback tauchten folgende Punkte öfter auf und werden von uns in Zukunft noch einmal größere Aufmerksamkeit erhalten:

Wer ist eigentlich dieser Avatar namens Anna Kpok?…
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