25.
Apr
2014

Logbuch #9 – Woche 3 bis 4

Woche 3

Wochenfragen der Gruppe:

  1. Wie schärfen die bisher erarbeiteten theatralen Formate, um eine ergebnisoffene Materialsichtung- und Auswertung mit den Familien in einer Art durchführen zu können, welche der Dynamik des jeweiligen Familiengefüges produktiv begegnet?
  2. Wie erarbeiten wir uns Ordnungssysteme und Selektionspraktiken im Hinblick auf die Transformation des Forschungsmaterials in szenische Anordnungen?
  3. Wie erarbeiten wir ein Präsentationsformat, in dem wir unseren Forschungsprozess für ein generationsübergreifendes Publikum nachvollziehbar, interessant und diskussionsoffen aufbereiten? Wie gestalten wir unser #making of? Welche Eindrücke/Ergebnisse/Fragen wollen wir in welcher Form präsentieren?

Wochenereignisse und Arbeitseindrücke

1) Gemeinsame Materialsichtung und –auswertung mit den Familien im Theater
Rahmen
Erster Versuch des Formalen Aufbaus unserer gemeinsamen Auswertungssessions:

  • Das Angebot an die Familien, sich selbst im Raum für ihrer Materialpräsention zu positionieren, den Rahmen und die Darstellungsmittel ihrer Materialpräsentation frei wählen zu können erweist sich als eine zu offene, beliebige Form. Die Familien sind angesichts dieser Offenheit bzw. des Mangels an Spielangeboten und Spielregeln entweder über- oder unterfordert
  • Aus der Offenheit der Form resultierte eine eher kontraproduktive Eigendynamik
    • Die Eltern referieren zuerst, was das Kind in einer marginalisierten Warteposition gemächlich die Langeweile gleiten lässt
    • Auswertung des Fragebogens wurde von allen Seiten vergessen

Daraus resultiert für den zweiten Versuch:

  • Klarere räumliche, theatrale Grundordnung mit klaren Spielregeln anbieten:
    • Vortragssituation an Vortragstisch
    • Klar strukturierter Ablauf
    • Auswertung des Fragebogens wird gleich in den Ablauf mit eingebunden.
  • Fazit: Die klarere Struktur nebst Spielangebot erweist sich insgesamt als produktivere Methode, als die offene Form. Insgesamt ist das Auswertungsformat insbesondere hinsichtlich der Gestaltung von Spielregeln und –angeboten noch ausbaufähig.
    • z.B. Spielangebote der Kinder, wie das Spiel mit einem imaginären Mikrofons aufnehmen und einarbeiten

Das gemeinsame Arbeiten, Auswerten, Organisieren und Austauschen mit den Familien nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Insgesamt bleibt kein Auswertungstreffen unter der 3-Stunden-Marke.

Eindrücke
Das Ende meldet sich jetzt schon – viel zu früh – vehement an.…
Weiterlesen

18.
Apr
2014

Logbuch # 9 – Woche 2

Wochenfragen der Gruppe:

  1. Welche unserer Arbeitsthesen eignen sich als inhaltlich-theoretische Reibungsflächen zur Überprüfung unserer praktischen Forschungsergebnisse und somit als Potenz für unsere künstlerische Arbeit?
  2. Mit welchen performativen Ansätzen und ästhetischen Zugriffen können wir eine praktische Reflexion unseres bisher gesammelten Materials durchführen?
    1. Durch welche Formen der praktischen Reflexion können die Ergebnisse aus der letzten Woche zu szenischen Anordnungen transformiert werden?
  3. Wie binden wir noch weitere Familien kurzzeitig in den Prozess ein? Mit welchen Aufgaben?
  4. Wie erarbeiten wir uns ein theatrales Format, in dem wir eine ergebnisoffene Materialsichtung und -Auswertung mit den Familien durchführen können?

Wochenereignisse // Arbeitsmethoden // Erkenntnisse // Fragen

Donnerstag, 10. April
BlitzInterview von uns 4en, 5 Minuten, einzeln – BLACKBOX
5 Minuten VideoInterview als Reflexionsform,
-um aufkommende Erkenntnisse zu schärfen
-um den Kopf für Reflexion der gesamten Woche frei zu haben

wir installieren Kamera in Materiallager, wer will, darf

LOGBUCH der ersten Woche einrichten
-Ausführlichkeit, weil wir diese WochenDokumentation auch zur Reflexion nutzen
-Idee, alle vier Perspektiven mit „Blicken in den Kopf von …“ zu dokumentieren
-die Unterschiedlichkeit der forschenden Zugriffe wird hier erfahrbar

Beginn Reflexion intern
Einander die bisherigen persönlichen Notizen, Gedanken, Erkenntnisse vortragen, als Beginn der gemeinsamen Reflexion der ersten Wochen.

Dritter Familienbesuch
Besuch bei einer der Familien
Wir haben die Familie bereits mit unserer Forscherhaltung infiziert. Jede/r auf seine Weise beginnt nun eigenständig zu forschen und uns zurück zu beforschen.

Der Sohn hat eine kleine Fotokamera mit einem Tischstativ und dokumentiert unser Treffen ausführlich.

Die Mutter fragt, ob wir das gesammelte Material mit unseren persönlichen Familienerfahrungen oder Familienbildern vergleichen wollen, in der Forschung.

Es entsteht ein Gespräch aller Erwachsenen über den wissenschaftlichen Zugriff und das forschende Subjekt.

Wir sprechen auch darüber, dass unser Zugriff insoweit natürlich ein persönlicher sein wird, weil jede/r von uns das Material auf dem Hintergrund eigener biografischer Erfahrung interpretiert (wie jede Forschung überhaupt so funktioniert), denn allein die Selektion, was mir überhaupt in den Blick fällt, ist rein subjektiv.…
Weiterlesen

10.
Apr
2014

Logbuch #9 – Woche 1

Präambel
Projekt-Forschungsweise, übergeordneter Rahmen
Das Besondere an unserem Forschungsvorhaben ist, dass wir es nicht zu viert antreten, sondern gemeinsam mit vielen weiteren Menschen, die mehreren unterschiedlichen Familien angehören.

Unsere Forschung, in Form eines partizipatorischen Projektes – wir forschen nicht nur über sondern mit Familien – schafft besondere Vorgaben. Diese geben uns bestimmte  Verfahrensweisen vor.

Wir können nicht einfach drauf los forschen, auf der Grundlage unseres Hintergrundwissens und dem von uns handlebaren Instrumentarium, sondern wir müssen die Vermittelbarkeit und Handhabbarkeit der Instrumente für die Familienmitglieder immer im Blick behalten. Unsere Rolle ist weitgehend die der InitiatorInnen. Unsere Aufgabe ist es, die Familien auf Forschungsaufgaben  vorzubereiten, sie anzuleiten , zu begeistern und währenddessen auch noch durch verschiednen Methoden unsere Fragen vor Ort zu beforschen. Wir müssen darauf achten, dass die Settings für die Familien einen Mehrwert erfüllen, zum Beispiel: interessant, impulsreich, lustvoll gemeinsam verbrachte Zeit, dass die Settings und Aufgaben als wünschenswert empfunden werden. Dieser Mehrwert sollte für die verschiedenen Lebensalter gleichermaßen entstehen, damit alle Familienmitglieder sich in dem Projekt wiederfinden. Unsere Aufgabe ist es, verbindend zu wirken.

Wir sind darauf angewiesen die Familien im Familienverbund und an den Orten ihres familären wirkens anzutregfen. Deshalb ist es wichtig für uns alle Familien einzeln in einer typischen Familienumgebung zu besuchen. Schließlich müssen wir unser Forschungsprojekt zeitlich extrem an den Terminkalendern der Familien (die für sich bereits ein logistisches Problem darstellen) orientieren, um möglichst oft, möglichst lange, möglichst viele der FamilienForscher_innen in den Prozess einzubinden.

Diese Voraussetzungen und ihre Auswirkungen waren uns vor Beginn des Forschungsprozesses zwar bewusst, die jeweilig möglichen Konsequenzen in all ihrer Tragweite ergeben sich aber erst im jeweiligen Feldversuch.

Betrachtet man diese Grundvoraussetzungen für unseren Forschungsprozess aus dem Blickwinkel eines explizit ästhetischen Forschens, so funktioniert dieses bei uns anders als in anderen künstlerischen Forschungsprojekten, die weniger Partizipativ angelegt sind. Als InitiatorInnen von Forschungsprozessen anderer ist unsere Arbeit stark konzeptionell ausgerichtet.…
Weiterlesen