4.
Feb
2014

Logbuch #8 – Woche 4

Sonntag, 26.01.2014
Heute haben wir uns mit Texten beschäftigt, die wir für die Bühne zugänglich machen wollten. Dabei haben wir uns um unterschiedliche Textgattungen und Textbearbeitungsstrategien bemüht. Als Textvorlagen hatten wir folgendes ausgewählt:

– „Östlich der Sonne“, ein Reisebericht von Klaus Bednarz
– Verschiedene Voice-Over Texte aus Tierdokumentationen
– „Gespenstische Stille auf dem Affenfelsen: Was hat die erstarrten Paviane erschreckt?“, ein Zeitungsartikel aus der Rheinischen Presse vom 05. August 2013
– „Discours de la servitude volontaire“ von Étienne de la Boétie, und, damit in Zusammenhang stehend, eine Stelle aus den Moralia von Plutarch

Diese Texte haben wir mit unterschiedlichen Methoden editiert, durch Kürzungen, Streichungen, Wortersetzungen, Umformulierungen. Fragen waren dabei: Wir kann man die jeweiligen spezifischen Eigenarten in Sprache, Stil, etc. der doch sehr  unterschiedlichen Textgattungen für eine Verwendung auf der Bühne nutzbar machen? Wie verhalten sich die Texte zu den Bildern und szenischen Aktionen, die wir bisher entworfen und ausprobiert haben? Und in welcher Weise knüpfen sie an unsere inhaltlichen Schwerpunktensetzungen bei dem bisher herausgearbeiteten Material an, bzw. welche editorischen Eingriffe sind notwendig, damit sie dies tun?

Im Artikel aus der Rheinischen Post geht es um ein Ereignis aus dem letzten Jahr in einem Zoo in Emmen in den Niederlanden. Eine Horde  von 112 Pavianen hatte sich dort für mehrere Tage zusammengerottet und wie erstarrt gemeinsam in eine Richtung gesehen, ohne sich umzuwenden. Irgendetwas musste die Paviane erschreckt haben, jedoch konnte die Ursache für das Verhalten nicht ermittelt werden.

Der Artikel aus der rheinischen Post wurde in zweifacher Weise bearbeitet: Zunächst wurde eine leicht gekürzte Version erstellt, die den berichtenden Stil des Textes einerseits beibehält, ihn aber sprachlich dennoch weiter von der Form einer klassischen Zeitungsmeldung entfernt. Im Zweiten Schritt wurde dann durch Wortersetzungen und geringfügige Ergänzungen eine veränderte Version davon erstellt, welche die Rolle von Mensch und Tier verkehrt. In dieser zweiten Version sind es nicht die Zootiere, die sich seltsam verhalten, sondern die Zoowärter.…
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28.
Jan
2014

Logbuch #8 – Woche 3

SA, 18.1.
Da wir in den letzten Tagen nicht immer alle zusammen gearbeitet haben, müssen wir uns jetzt gegenseitig auf den aktuellen Stand bringen. Wir berichten uns von den Ergebnissen der Woche, zeigen uns Sounds und kurze Sequenzen auf der Bühne und sprechen über inhaltliche Schwerpunkte. Außerdem beginnen wir, uns einen Überblick über unser bisheriges Material zu verschaffen. Während der gesamten Diskussion nimmt Bernhard uns auf um anschließend Material zu extrahieren und aus unseren parasprachlichen Äußerungen eine Tonsequenz zu komponieren.

Während Bernhard sich mit dem Tonschnitt befasst, beginnen Stine, Katharina und Alice mit einer szenischen Anordnung auf der Bühne. Zwei Performer betreten die Bühne, widmen ihre Aufmerksamkeit aber nicht dem Publikum, sondern einem unsichtbaren und scheinbar sehr bedeutsamen Punkt im Raum. Dabei werden verschiedene Versionen ausprobiert: Wie können wir die Existenz des unsichtbaren Punktes deutlich machen, ohne darüber zu sprechen? Sind die Performer schon auf der Bühne und die Atmosphäre wird durch Licht und Sound hergestellt oder wollen wir mit Auftritt und Bewegung arbeiten?

Wir arbeiten in verschiedene Richtungen, verfeinern und verwerfen Gefundenes und bleiben am Ende mit zwei Versionen zurück, die wir am Sonntag weiter bearbeiten wollen.

Abends schauen wir uns noch das „Planet der Affen“-Remake von Tim Burton an und fragen uns, warum Helena Bonham Carter eine so unschöne Maske bekommen hat.

SO, 19.01.2014
Heute haben wir zunächst am Sound weiterentwickelt. Ausgangfrage hierfür war: Wir kann das parasprachliche Material unter tonalen Aspekten verwendet und bearbeitet werden? Wir können die klanglichen Aspekte stärker herausgearbeitet werden?

Das Parasprachliche Material aus der Aufnahme der Diskussion diente dabei als Grundlage. Aus einem ca. 3-sekündigen Teil, indem jemand summt, wurde ein Sample erstellt. Dieses Sample wurde geloopt und mit einem aus Reverb, Delay und Pitch kombinierten Effekt belegt. Auf diese Weise entstand ein Harmonischer Loop, der als Grundlage für den weiteren Aufbau einer Tonspur aus den parasprachlichen Äusserungen diente.…
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21.
Jan
2014

Logbuch #8 – Woche 2

MO, 13. 1. 2014
Heute beschäftigen wir uns mit Tierdokumentationen. Nach ein wenig Recherchezeit finden wir  vier Filme, die uns für unsere Zwecke interessant erscheinen: Affen – Heimliche Genies und Können Tiere denken? befassen sich mit den kognitiven Fähigkeiten unserer tierischen Verwandten, in Operation Dolittle geht es um Kommunikationsformen von Tieren, ein weiterer Film befasst sich mit Zoophilie, also romantischen Liebesbeziehungen zu Tieren. Wir teilen uns auf um das Material zu sichten und teilen anschließend unsere Beobachtungen.

Nachmittags befassen wir uns damit, kurze Sequenzen aus Tierdokumentationen auf der Bühne zu imitieren. Stine bearbeitet eine Aufnahme von einem frei lebenden, Nestbauenden Gürteltier, Katharina nimmt sich Lukas zum Vorbild und Alice befasst sich mit dem Aggressionsverhalten eines Schimpansen im Zoo. Zunächst wählen wir dabei den Weg der möglichst genauen Nachahmung, damit wir anschließend überlegen können, was uns an den Bewegungsqualitäten produktiv für unser Thema erscheint und was man weglassen oder abstrahieren kann. Über den Nachmittag hinweg probieren wir mehrere Versionen aus und skizzieren kleine Sequenzen, die wir erstmal in einem eher rohen Zustand belassen und später im konkreten Bühnenzusammenhang weiter bearbeiten wollen.

DI, 14.1.2014 Vormittag
Nach dem Aufwärmtraining widmen wir uns zunächst der Theorie. Da wir im Rahmen unserer Tierbetrachtungen auch über Formen der Bühnenpräsenz nachdenken, veranstalten wir zunächst eine Sichtung und Kategorisierung bereits bekannter Performerhaltungen und versuchen dabei auch festzustellen, inwiefern im Rahmen dieser Haltungen ein Verhältnis zum Publikum hergestellt wird, wie der Performer sich durch seine Haltung zwischen Verbindlichkeit und Fremdheit bewegt, inwieweit sein Auftreten mit Machtverhältnissen spielt, die Teilhabe des Zuschauers am Geschehen ermöglicht, eingeschränkt oder nur vorgetäuscht wird. Wir erstellen eine Liste von Performertypen mit einer Kurzbeschreibung von deren hervorstechendsten Verhaltensweisen und Wirkungen.

Im Praxisteil unseres Tages improvisieren wir zunächst Auftritte.  Kurz probieren wir noch den Wechsel zwischen verschiedenen Performerhaltungen aus:
Einer Gesprächsrunde und einem Showing unseres Videosettings und einer Einführung in den Umgang mit Überwachungskameras folgt die gemeinsame Sichtung des Films: „Max, mon Amour“, der sich durch seine Thematisierung der Verletzung Gesellschaftlicher und zwischen Spezies herrschender Grenzen als für unser Thema interessant entpuppt.…
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14.
Jan
2014

Logbuch #8 – Woche 1

MO, 06.01. 2014
Unser erster Tag in Oldenburg. Um halb eins treffen wir uns mit Mareike und Winfried, die uns eine Einführung in das Residenzprogramm und einen Überblick über das Städtchen geben. Anschließend klären wir untereinander Terminfragen, entwerfen einen Arbeitsplan für die erste Woche und beziehen unsere Wohnung.

DI, 07.01. 2014
Wir beginnen den Tag mit der technischen Einrichtung der Bühne. Scheinwerfer werden auf Stative geschraubt, das Videoequipment ausprobiert, eine Soundecke eingerichtet. Bisher haben wir noch keine konkreten Überlegungen dazu, wie unsere Bühne aussehen soll. Daher versuchen wir, alles möglichst flexibel und praktisch zu halten. Außerdem wird ein Arbeitstisch mit Büchern vollgestapelt, einige beginnen bereits, sich durch die Inhaltsverzeichnisse zu schmökern.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem Einstieg in die Tierphilosophie. Gemeinsame Lektüre ist Katharinas Bachelor-Thesis mit dem Titel „Zwischen Authentizität und Inszenierung – Tiere in der zeitgenössischen darstellenden Kunst“. Dabei fallen uns verschiedene Punkte auf, die wir anschließend diskutieren: Zunächst interessiert uns der Aspekt des Schauens. Was haben Theater und Zoosituation miteinander zu tun? Welche möglichen Perspektiven gibt es? Wie ernst kann man die Unterscheidung zwischen Schauendem und angeschautem in dieser Blicksituation nehmen?

Außerdem stellen wir fest, dass uns die Untersuchung des Verhältnisses Tier-Mensch als Nachdenken über Beziehungen von Wesen interessiert. Eine Beobachtung in Katharinas Thesis ist, dass sich das Tier-Mensch-Verhältnis unter anderem dadurch auszeichnet, dass es eine große Diversität an Beziehungsmöglichkeiten hervorbringt: das Tier als Ware, demgegenüber der Mensch alle sentimentalen Gefühle zu vergessen vermag; die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Haustier, die gleichermaßen von Macht und Zuneigung geprägt ist; das Tier als unbekannte Bedrohung, das sich den urbanen Raum zurückerobert und den Menschen in ungewohnter Gegenüberstellung konfrontiert. John Berger spricht

vom „Abgrund des Nicht-Verstehens“ zwischen Mensch und Tier, der sich in der Ko-Präsenz von Vertrautheit und Fremdheit auftut und nicht zu überbrücken, wohl aber zu untersuchen ist. Dieser Moment interessiert und beschäftigt uns.…
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