7.
Jul
2015

Logbuch # 17 – Woche 4

Erzählung / These: Der Hausstand erzählt sich selbst.

Diese Woche wird der Erzählung gewidmet. Es werden in dieser Woche kleine Szenen und kleinere Erzählbögen erarbeitet, bei der die atmosphärische Wirkung im Vordergrund steht. Der Raum, die Anordnung der Objekte, performative Handlungen und Musik sollen in komplexe Atmosphären überführt werden, die das Leben vom einstigen Besitzer des Hausstandes erfinden. Die Leitfrage dieser Woche ist, wie die von uns entwickelten Erzählstrategien in ein Format überführt werden können. Was bedarf es für eine zeitliche oder auch räumliche Rahmung? Wie schaffen wir ein Oszillieren zwischen Ausstellung, Aufführung und Konzert? Wie schaffen wir es, dass die Dinge eine eigene Geschichte erzählen und wir nur als „Sichtbarmacher“ und Unterstützer agieren?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Theorie: Das Ding – Träger unbekannten Lebens – Objekttheater
Wie kann man ein Objekt bestimmen, in Bezug setzen zu wen od. was?
– Das Objekt ist nicht länger ein Theaterrequisit und ebenso wenig ein formgewordenes bildnerisches oder ästhetisches Konzept. -> viel mehr Ausgangspunkt für die Frage: „Wer spricht und worüber?“
– Objekt spricht eigene Sprache
– gemeinsame Existenzbedingung von Subjekt & Objekt
– Sprache: Wörter können nicht eine veränderliche & widersprüchliche Realität erfassen oder wiedergeben -> aber das Bild kann heterogene Elemente in sich vereinen
– Abwerfen der reinen Zweckbestimmung, die von realistischen Konventionen bestimmt wird -> Spiel mit surrealistischer Ästhetik der Collage und der spielerisch unerwarteten Verfremdung des Objekts
– bildnerisches Theater von Theatermacher wie Brook/Kantor/Wilson ist nah an der Poetik des Objekts
– Durch Medien / Bilder / Projektionen verwischt Distanz von Schauspieler & Objekt (Verwischen Grenzen von Realität & Vorgestelltem)
– Suche nach Theatersprache, die über den Diskurs der reinen Darstellung hinaus geht, um einer metaphorischen & emotionalen Sprache Platz zu machen
– Kann eine Tasse einem Gefühl gleich sein?
– stellt der Fokus auf das Objekt die Rolle des Schauspielers in Frage?
– Theater ist der Ort an dem der Zuschauer den Zeichen, die offen sind für alle Deutungen, eine Gestalt gibt.…
Weiterlesen

1.
Jul
2015

Logbuch # 17 – Woche 3

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Interaktion / These: Es ist alles da, man muss es nur sichtbar
machen.
Diese Woche stand unter dem Thema Interaktion. Wir haben versucht die
Arbeitserkenntnisse und Forschungsergebnisse zusammenzubringen und komplexe
Wahrnehmungsräume zu erarbeiten. Zum einen hat jeder eine Strategie der
Narration entwickelt – Wie können die Dinge von sich selber erzählen und wie lege
ich eine Figur an? Und zum anderen haben wir gemeinsam an einem ersten Versuch
zu einer Theaterinstallation gearbeitet – ein Büdchen, dass die Atmosphäre einer
Gartenlaube entstehen lassen kann und in dem wir szenische Anlagen und
musikalische Ansätze probieren wollen.

EXPERIMENTE Erzählstrategien

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Kleiderschrank
– unter der Tribühne ein schmaler, etwas niedrigerer Gang
– an beiden Seiten waren Kleider (Kittel, Kleider, Pullover, Strickjäckchen) an
Kleiderhaken gehängt
– Licht wurde mit dem Overheadprojektor in den Gang geworfen
– aus den Kleidern kamen vereinzelte menschliche Laute– Gähnen, Räuspern,
Atmen
Wahrnehmung/Rezeption/Feedback:
– es war eine gewissen Abwesenheit zu spüren
– es kommt die Frage auf, ob die Klamotten zu einer Person gehören – Einheit der
Kleider (gleiche Größe, ähnliche Muster etc.)
– Wer hat das angeordnet? Wie eignet man sich das Material an?
– Hängung war recht pur, schlicht
– in sich gestalteter Raum, aber ohne dass er sich komplett vom
Kontext/Bühnenraum löst


Audiowalk
– im Foyer
– Zuschauer/-hörer bekommt Kopfhörer aufgesetzt und eine Stimme spricht und lenkt
den/die Hörende(n).
– die Stimme/Figur fordert den/die Hörende(n) auf den Raum wahrzunehmen, wie
dieser auf ihn/sie wirkt.
– die Stimme führt den/die Hörende(n) zu verschiedenen Stationen im Raum um dort
Dinge genauer zu betrachten und Fragen zu stellen. Diesen Dingen sind über die
Audioebene Geschichten zugeschrieben. Wie kamen die Dinge hierher? Standen sie
schon immer hier? Betrachte alles genau! Was denkst Du?- Geräusche die den Ort und bestimmten Dingen innewohnen werden über die
Kopfhörer wahrgenomme. Dabei hört der/die Hörnende Geräusche die in einer
anderen zeitlichen Ebene an diesem Ort stattgefunden haben ebenfalls, wie die zur
aktuellen Zeit stattfindenden Geräusche aus der „Realwelt“.…
Weiterlesen

24.
Jun
2015

Logbuch # 17 – Woche 2

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“
(Eichendorff)

Musiktheater bruit

Ekstase des Dings / These: Den Dingen haften die Geschichten an.
In der zweiten Woche konzentrieren wir uns auf das Ding und widmen uns den Gegenständen und Möbeln, die wir mit der Haushaltsauflösung erstanden haben. Wir untersuchen was Gernot Böhme meint in seinem Text zu Atmosphären, wenn er von der “Ekstase des Dings” spricht. Wie wirken Form, Material, Struktur, Volumen und Klang eines Objektes im Raum? Welche Wirkung haben die Dinge auf uns? Was für Assoziationen bringen sie hervor und was für Geschichten können sie erzählen? Durch das Arrangieren, Kombinieren, Inszenieren, Ausstellen und zum Klingenbringen wollen wir die Beschaffenheit und Wirkung der Gegenstände des von uns erstandenen Haushalts erforschen. Was gibt es für Formen der „Bespielung“? Wie kann man das erzählerische Potential der Dinge ausschöpfen?  Wie wirken die Dinge im Raum, wie bestimmen sie die Atmosphäre? Wie nehmen wir sie wahr?

Experimente

Musiktheater bruit

Ding-Adjektiv-Klang-Strategien:
Klanglichkeit des Dings – Klang kommt von den Dingen beim agieren
Klangverstärkung
Klangübersetzung aufs Instrument (Stofflichkeit)
Trennung vom Raum und Zeit (Hier und Jetzt) durch vorher aufgenommen Klang (Inszenierungsmittel)  ermöglicht Assoziationen
Ist es wirklich das Ding was da klingt? Kann das Ding überhaupt klingen?
Klang als erweitertes Bild
Mikro als Transformationsmittel
Lösung des Klangs vom direkt-entstehenden
Kann man jedes Adjektiv inszenieren?
Gibt es Dinge die Adjektive schon in sich haben ohne dass wir sie animieren?

Musiktheater bruit

Interaktion mit mehreren Dingen zu einem Adjektiv:
Inszenieren der Unterschiedlichkeit/Charakter
Verschmelzung der Dinge
Dinge werden automatisch ins Verhältnis zueinander gesetzt auch wenn sie unbespielt bleiben – ergeben eine Szene
installative Kombinationen mehrerer Dinge zu einem neuen Ding
Jedes Ding hat seine spezifische Atmosphäre – in der Kombination erfährt es eine neue Atmosphäre

Musiktheater bruit

Ding Beschreibung (ohne dass die anderen es sehen):
ausgewählte Wortwahl bestimmt das Erkennen
Funktionsbeschreibung (macht es sehr klar) vs.…
Weiterlesen

16.
Jun
2015

Logbuch # 17 – Woche 1

Bruit Woche 1 Blog01

Forschungsvorhaben der ersten Woche war die Untersuchung des Begriffs „Atmosphäre“ und die erste Annäherung an unser mitgebrachtes Material, dem Hausstand einer Gartenlaube. Wir haben uns theoretisch mit unterschiedlichen Texten zu Atmosphäre und Wahrnehmung auseinandergesetzt und einige Definitionen für uns gefunden. In ersten Experimenten haben wir versucht Herangehensweisen zu finden, auf welche Weise man sich dem Hausstand aneignen kann und haben uns spielerische den Objekten genähert. Im Folgenden sind die wichtigsten Diskussionspunkte, Erkenntnisse und Fragen zusammengefasst.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ding Experimente:
„Moving Things“ / Spiel mit den Dingen
Immer neue Anordnung, Sortierung, Gruppierung, Sturkurierung, Dekonstruktion, Komposition, Installation
Räume entstehen lassen durch Anordnung von Dingen
Kompositionsmethoden:
Symbole /Zeichenhaftigkeit / Semiotik
vs. Abstraktion / Materialität / Eigenleben
Prozesse der Narration:
Machen (Logik) / Wahrnehmung (Logik weiterdenken) /
Reaktion (Aneignung, Weiterentwicklung, Antworten, Entgegensetzen)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Künstlerischer Umgang mit Dingen
Addition (verschiedene Mittel addieren)
Subtraktion / Reduktion
Sezieren, Extrahieren
Spielregel schaffen
Aufgabenbereiche klären

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ding / Kontext (Mensch)
Dinge unterschiedlich kontextualisieren:
Körper / Material / Klang / Bewegung
Ding lässt Abwesenheit von etwas spüren.

Hausstand:
Dinge, die die Abwesenheit spüren lassen? Verlust?
Bedeutung von Dingen: wir laden die Dinge auf – affektive Bindung an Dinge
Verlust/Tod vs. Veränderung/Verwandlung/Neuentdeckung  – „Am Ende besteht alles nur aus Atomen“
Zukunft der Dinge vs. Einsamkeit
Kann sich das Ding von der Abwesenheit emanzipieren?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ding / Potenz
Wie potent sind die Dinge?
Materialbeschaffenheit, Narrationspotential
Was passiert bei Dekonstruktion, Zerstörung, Töten? Wie verändern sich die Dinge, wie die Atmosphäre?
Lesbarkeit der Dinge: Interpretation vs. Ding-Sein /Ansich-sein

Materialerfahrung:
Beschaffenheit des Dings (Widerstände / Eigenleben)
Transformation des Materials (Ergebenheit / Zerstörung)
Performativität mit dem Ding (Einbeziehung von Performer + Aktion, Äußerer Raum)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Untersuchung Atmosphären
Atmosphären ergeben sich aus empfundenen Ekstasen plus Bedeutungen, di das affektive Erleben der Dinge für den Wahrnehmenden prägen.
Atmosphäre ist die empfundene Gegenwärtigkeit des Ortes und die erspürte Anwesenheit von Zuschauern und Dargestelltem im Raum. Sie ist gebunden an Zeit und Ort und sie ist flüchtig, ereignishaft
In seiner ästhetischen Bedeutung bezieht sich der Begriff „Atmosphäre“ auf die: leiblich (körperlich, materielle, greifbare, physische, stoffliche…) und affektive (gefühlsbetonte Wirkung) einer Umgebung in deren Wahrnehmung.“ S.…
Weiterlesen